Ev. Kirchengemeinde Am Groß-Glienicker See

Blog: Unterm Schilfdach

An dieser Stelle schreibt Pfr. Alexander Remler regelmäßig über das Gemeindeleben der Schilfdachkapelle. 

 

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Fr 27.5.22, 8:29: So, das war jetzt aber genug Stillstand in den vergangenen Tagen. Quarantäne, Corona und Selbstisolation, endlich ist alles vorbei. Es kann wieder losgehen. Gleich morgen machen sich Kinder und Familien auf den Weg nach Potsdam. Im Schlosspark Sanssouci werden wir von „unserem“ Schäfer Björn Hagge und seinen rund 100 Schafen erwartet. „Die Kinder dürfen die Tiere streicheln und füttern“, sagt er, „und Lämmer auf den Arm nehmen.“ Wer noch mit will, einfach eine kurze Nachricht an mich. Danach fahren Leoni Rademacher und ich nach Nikolskoe. In der Kirche St. Peter und Paul werden wir zum Traugottesdienst erwartet. Wir nehmen das Auto – aber das soll in den nächsten Wochen eher die Ausnahme bleiben. Denn das nächste „Stadtradeln" steht an. Meine Frau Merle Remler hat für unsere Landeskirche das „Team Ekbo“ organisiert. „Mehr Bewegung, mehr Klimaschutz und aufmerksam sein für die Dinge auf dem Weg – was will man mehr?“ Das hat mich überzeugt. Ich fahre in unserer regionalen Untergruppe „Evangelische Kirche in Kladow“ mit. Das Fahrrad nehme ich auch am Sonntag, wenn ich „Doppeldienst“ habe. Um 10 Uhr bin ich in der Dorfkirche Kladow, dann geht es im Talar zur Schilfdachkapelle, wo der Gottesdienst um 11 Uhr beginnt. Ich freue mich aufs Wiedersehen.

Fr 20.5.22, 8:33: Ich merke in diesen Tagen wieder einmal: Gute Freunde sind wichtig. Nur dass Nutella, Toffifee und wie sie alle heißen, am Ende dafür sorgen werden, dass ich die Selbstisolation wahrscheinlich mit 10k+ verlasse. Ja, die Selbstisolation. Nun hat es auch uns als Familie erwischt. Und ich hatte mich in den vergangenen Wochen schon gefragt, was mit uns nicht stimmt – gefühlt waren doch schon alle mindestens einmal positiv getestet worden. Nur wir nicht. Das ist nun vorbei. Diese Woche ist es zur erzwungenen Entschleunigung gekommen. Die Symptome sind zum Glück bisher eher vergleichsweise schwach, vergleichsweise stark dafür noch die Nerven. Was hoffentlich auch so bleibt – beides. Dankbar bin ich auch, dass es einen guten Freund und Kollegen gibt, der dafür sorgt, dass in der Gemeinde kaum Termine ausfallen müssen. Die für heute geplante Bestattung kann stattfinden. Ebenso wie der Abschlusstag mit unseren Konfis morgen vor der Schilfdachkapelle. Und auch der Gottesdienst am Sonntag – wie gewohnt um 11 Uhr. Danke, Nicolas! Apropos, was hast du am Sonntag vor? „Es wird im Gottesdienst um Sehnsüchte, das Beten und das Lied ‚Imagine’ gehen“, so Pfarrer Nicolas Budde. Lekanka Gaiser ist auch dabei und baut mit den Kindern am neuen „Barfuß-Pfad“ zur „Kirche im Wald“.

Mo, 16.5.22, 8:53: Am Freitag hat ein guter Freund für kurze Zeit geglaubt, dass ich abends in die Synagoge gehen würde. Was auch grundsätzlich hätte sein können. Nur nicht in diesem Fall. „Aber nein“, versuchte ich zu erklären. „Ich fahre zur Synode.“ Ich schaute in ein ratloses Gesicht. „S-Y-N-O-D-E.“ Dann wurde mir klar: Ich war wieder in die Sprachfalle des Kirchensprechs getappt. Wer weiß schon, was eine Synode ist? Dabei bin ich ein großer Fan dieser gelebten Basisdemokratie unserer Kirche. Die Synode ist das Kirchenparlament. Und am Wochenende hat unser Kirchenkreis wichtige Entscheidungen zu Finanzthemen und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt getroffen. Außerdem ist Barbara Jäck-Schmidt, Leiterin unseres Posaunenchores, nun „Kreisposaunenwartin“ – herzlichen Glückwunsch! Und ich freue mich, dass ich ins Präsidium der Synode gewählt worden bin – danke für das Vertrauen! Am Sonntag haben wir vor der Schilfdachkapelle dann einen richtigen Gute-Laune-Sommer-Sonnen-Gottesdienst gefeiert. Einige Konfis haben bis zum Glockenläuten noch Fußball gespielt. Die Kinder haben das Blumenkreuz bepflanzt. Und Norbert Schön kam mit einem Geldsäckchen zu mir. „Wir haben etwas Kleingeld gesammelt, kann das auch in die Kollekte?“ Aber natürlich, lieber Norbert – von Cent-Stücken bis zu großen Scheinen nehmen wir alles: Vielen Dank!

Fr 13.5.22, 8:31: Am Dienstag waren Leoni Rademacher und ich in der Neuen Nationalgalerie. „Komm, wir machen eine Dienstreise“, hatte ich ihr schon morgens angekündigt. Gut, das war vielleicht etwas großspurig. Zumal wir erst noch zum Gottesdienst ins Seniorenheim mussten. Aber dann ging es los, bis zum Potsdamer Platz. Ich wollte mir dort unbedingt die Installation „Bitte lachen – Please Cry“ anschauen. Dieses Kunstwerk aus Worten von Barbara Kruger, für das die 77-jährige Konzeptkünstlerin aus New York den gesamten Mies-van-der-Rohe-Glaskasten mit Buchstaben aus Vinyl im XXL-Format beklebt hat. Im Mittelpunkt dieses Zitat hier: „Wenn Sie sich ein Bild von der Zukunft machen wollen, dann stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf einem menschlichen Gesicht herumtrampelt, für immer“ – es stammt von George Orwell, aus dem Roman „1984“. Beeindruckend, wie Barbara Kruger das Leben auf Slogans reduziert. Das konnten die Autoren der Bibel übrigens auch sehr gut. Mit wenigen Worten viel zu sagen. Und der kürzeste Slogan der Bibel lautet: „Jesus Christus.“ Kein Name, ein Bekenntnis. Um das alles geht es am Sonntag im Gottesdienst. Wie immer um 11 Uhr. Bei schönem Wetter draußen. Und die Kinder aus der „Kirche im Wald“ werden ein „Blumenkreuz“ vor dem Gemeindehaus anlegen.

Mo 9.5.22, 8:47: Und so gingen wir, gestern, wir konnten nicht anders. Oder doch? Moment. Natürlich hätten wir auch anders gekonnt. Aber wir wollten es nicht anders. Wir wollten es genau so. Wir wollten gestern Pilgergottesdienst feiern. Und dafür sind wir nach einem Auftakt an der Schilfdachkapelle die gut zwei Kilometer zur Dorfkirche Kladow gewandert. Äh, nein, nicht gewandert, wir sind gepilgert. Was es zum Pilger braucht? „Optimismus und Kekse“, so hat es Hape Kerkeling kürzlich erst wieder gesagt. Und der muss es wissen. Mit seinem Pilger-Klassiker „Ich bin dann mal weg“ hat er Standards gesetzt. Was es sonst braucht, haben wir die Kinder gefragt. Antwort: „Ordentliche Pilgerstäbe.“ Also haben Lekanka Gaiser und die Kinder in der „Kirche im Wald“ zunächst Stöcke gesucht und mit bunten Wollfäden verziert. Dann ging es los. Und das war schön. Zwei Gemeinden auf dem Weg. Gemeinsam. Das war für mich der Höhepunkt eines an Veranstaltungen reichen Wochenendes mit Konzerten, Kinderkino, Pilgerfest und der „Offenen Pilgerkirche“. Am Ende des Pilgergottesdienstes hat mich eine schlichte Geste berührt. „Du hast aber einen schönen Stab“, meinte Heike Luther zu der 13-jährigen Jule, die im „Kirche im Wald“-Team dabei ist. Ihre Antwort, nach kurzem Zögern: „Ich schenke ihn dir.“

Fr 6.5.22, 9:17: Am kommenden Wochenende sind wir dann mal weg – und müssen dafür noch nicht einmal in die Ferne reisen. Das „Spandauer Pilgerwochenende“ bietet ein volles Programm. Die evangelischen Kirchen in Spandau sind geöffnet – am Samstag von 10 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 14 Uhr. Dazu auch einige katholische Kirchen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche geführte Pilgertouren – vom „Nachtpilgern“ für Jugendliche bis zum „Barrierefreien Generationspilgern“. Alle Infos gibt es unter www.spandau-evangelisch.de im Internet. Der Höhepunkt bei uns an der Schilfdachkapelle ist der „Regionale Pilgergottesdienst“ am Sonntag. Aber Achtung: Es geht schon 10.30 Uhr los! Nach einem rund 20-minütigen Auftakt vor der Schilfdachkapelle  pilgern wir gemeinsam bis zur Dorfkirche Kladow. Dort gibt es einen gottesdienstlichen Abschluss. Später am Nachmittag (15 bis 18 Uhr) findet im Gemeindegarten im Dorf das Abschlussfest des Pilgerwochenendes statt. – Außerdem am Sonntagnachmittag: Das nächste „Kinderkino“ in der Schilfdachkapelle. Dabei geht es um um 16 Uhr um kleine Vögel und großes Geklapper – der kindgerechte Animationsfilm „Überflieger“ steht auf dem Programm. Er erzählt von einem verwaisten Spatz namens Richard, der von einer Storchenfamilie liebevoll aufgezogen wird. Schließlich geht er auf eine Reise um die ganze Welt. Für das Kinderkino bitte unter remler@schilfdachkapelle.de anmelden! Ansonsten: „Buen camino!“

Mi 4.5.22, 8:21: Die Zahl der Eheschließungen, lese ich in der Zeitung, ist auf einem historischen Tiefpunkt angekommen. Im vorigen Jahr haben nur noch 350.000 Paare geheiratet, so das Statistische Bundesamt. Aber gut, überlege ich, wer hat denn auch in der Pandemie schon groß feiern wollen? Jetzt sieht die Welt wieder anders aus. Allein in der vorigen Woche hatte ich an drei Tagen drei verschiedene Trau-Gespräche. Eins mit Jana Fischbach und Simon Lück. Ein wundervolles Brautpaar! Die beiden wollen im September heiraten. Nun haben wir erste Fragen zum Traugottesdienst besprochen. Auf welche Weise wird Jana in die Kirche einziehen, und werden sich die beiden das Trauversprechen klassisch oder modern geben? Solche Sachen. Oder: Welche Lieder werden gesungen, und wollen sie den Trausegen lieber im Stehen oder auf Knien empfangen? Fragen, bei denen es nicht nur um Symbolik geht. Die Antworten verraten, wie ein Brautpaar über die Liebe und das Leben denkt. Großartig ist es, darüber zu sprechen. „Bei mir dauert es, bis ich zu einer Entscheidung gelange, aber dann will ich es richtig“, sagt Simon Lück. Er ist 45 Jahre alt. Voriges Jahr hat er sich zur Taufe entschieden. Dieses Jahr möchte er heiraten. Wie schön, Menschen bei wichtigen Lebensentscheidungen zu begleiten!

Di 2.5.22, 8:36: Der Höhepunkt des Wochenendes war für mich eindeutig der „Kinderflohmarkt“ am Samstagvormittag. „So muss Kirche sein.“ Das war nicht nur die häufigste Rückmeldung. Das war auch das schönste Kompliment für die Kinder und Jugendlichen, die dort ein einstündiges Bühnenprogramm auf die Beine gestellt hatten – souverän präsentiert von Leoni Rademacher. „Sehr professionell“, war ein Kommentar eines Marktbesuchers, der gleich zum Auftakt die zwei Songs der „FiveLines“ gehört hatte. Danach: Nina Merkle und Nico Ekhitari mit Geige und Cello. Besonders bei einem der fünf kurzen Musikstücke schaute ein Sechsjähriger überrascht auf: „Ey, das ist Star Wars!“ Als nächste waren die Kinder aus der „Kirche im Wald“ dran. So munter, so lebendig mit ihrem afrikanischen Danklied. Dann: Maxi Maaß, ganz alleine, mit der Blockflöte. Klassisch ging es dann mit unserer Konfirmandin Salome Manyak auf dem Cello weiter – großartig. Zum Abschluss wieder die „FiveLines“. Und was sagen Martina und Joachim Weiß, die die 36 Marktstände organisiert hatten? „Für uns war es beeindruckend, mit welchem Können sich diese jungen Menschen präsentierten – toll gemacht.“ Eins war ihnen im Unterschied zu den Vorjahren aufgefallen: „Sehr viele Teilnehmer sind zu uns gekommen und haben sich bedankt, das haben wir so noch nicht erlebt.“ Wir schließen uns an: Danke!

Do 28.4.22, 8:36: Demokratie, so heißt es doch, lebt vom Engagement der Menschen. Und das ist bestimmt richtig. Aber das gilt erst recht für Kirchengemeinden. Und am besten ist es, wenn gesellschaftliches und kirchliches Engagement zusammen kommen. So wie bei Martina und Joachim Weiß. Die beiden sorgen immer wieder durch großzügige Spenden dafür, dass wir an der Schilfdachkapelle schöne Projekte umsetzen können – den Bundesfreiwilligendienst etwa oder den Steinaltar für die „Kirche im Wald“. Doch der 67-jährige Oberstleutnant a.D. und seine Frau sind auch darüber hinaus hoch engagiert. Schon seit 2006 organisieren sie den „Kinderflohmarkt“ in der Landstadt Gatow – um nur ein Beispiel zu nennen. „Uns liegen Kinder am Herzen“, sagt Martina Weiß. In diesem Jahr findet der „Kinderflohmarkt“ erstmals in Zusammenarbeit mit den beiden Kirchengemeinden in Kladow statt. Am Sonnabend, 30. April, 10 bis 14 Uhr, ist es  soweit. Alle 36 Stände sind besetzt. Es gibt ein Kultur-Programm, moderiert von Leoni Rademacher. Unsere Jugendband „FiveLines“ ist mit dabei. Außerdem spielen Jugendliche aus unseren Gemeinden mit ihren Streichinstrumenten. Und die Kinder aus der „Kirche im Wald“ singen ein Lied aus Benin. Ich freue mich. Das ist der Samstag – am Sonntag ist um 11 Uhr wieder Gottesdienst, „drinnen & draußen“, diesmal mit Pfarrer Nicolas Budde.

So 17.4.22, 20:59: Von der Nacht in den Morgen. Vom Dunkel ins Licht. Das ist die Bewegung, die den Bogen schlägt von Gründonnerstag bis Ostersonntag. Und nun schaue ich zurück auf vier Gottesdienste. Wie es war? Intensiv. Ausgerechnet die Vorbereitung auf den Karfreitag ist mir aber eher leicht gefallen. Weil der Krieg in der Ukraine sowieso seit Wochen für Karfreitags-Stimmung sorgt? Vielleicht. Ein besonderer Genuss war Michael Hoeldkes „Für Alina“ von Arvo Pärt. Im Anschluss daran sind Musik und Glocken verstummt. Erst am nächsten Abend ging es in der Osternacht am Feuer weiter. Mit Kerzen haben wir das Osterlicht in die Dunkelheit getragen. Das war stimmungsvoll, gemeinsam mit Pfarrer Nicolas Budde. Dann kam der Abschluss am Sonntag. „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Dieser starke Satz von Dietrich Bonhoeffer war der Leitgedanke zum Fest der Auferstehung. Mit mehr als 100 Besuchern war der Gottesdienst ein fröhlicher Höhepunkt des Osterwochenendes. Nun sage ich „Danke“ – besonders unseren Bundesfreiwilligen Leoni Rademacher und Lennart Aurich, den Teamerinnen Alina Kühn und Lilli Rademacher, dazu Robert und Manfred Gummi, Angelika Fiukowski, Inge Kronfeldt, Katrin Buchholz und Iris Reinke. Dazu Cindy Pohl und Tim Rees für viele wunderschöne Fotos. Und ich verabschiede mich nun in ein paar dienstfreie Tage.

Do 14.4.22, 10:55: Die Gottesdienste sind vorbereitet. Die Plakate erstellt. Die Liederzettel gedruckt. Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten von Gründonnerstag und Karfreitag bis zur Osternacht und Ostersonntag. Am Sonntag findet für die Kinder auch die „Kirche in Wald“ mit dem Bemalen von Ostersteinen statt. Gesegnete Feiertage!

Mo 11.4.22, 8:29: Der April macht bekanntlich, was er will. Aber auch im Gottesdienst? Das war mir neu. Bis gestern. Doch der Reihe nach. Wir waren wieder draußen. Vor der Schilfdachkapelle. Zum Familiengottesdienst an Palmsonntag. Aber pünktlich zum Gottesdienst kam der Regen. Etwas später der Hagel. Ach so, und kalt war es sowieso. Die Sonne hat sich erst ganz am Ende blicken lassen. Schon rein wettermäßig war also einiges los. Aber auch sonst. Oder wie meinte Lekanka Gaiser hinterher? „Der Gottesdienst war toll“, so unsere Beauftragte für die Arbeit mit Familien. „Schließlich läuft auch sonst im Leben nicht immer alles reibungslos.“ Ja, so kann man das auch sehen. Immerhin konnten am Ende alle mit einem Palmkreuz nach Hause gehen, das wir im Gottesdienst aus Palmblättern geflochten haben. Und ein Danklied aus Benin, wo unser Gemeindeprojekt „Kinderhilfe Benoite“ zu Hause ist, haben wir auf Fongbè auch gesungen. Das war zumindest mutig. Etwas vertrauter, wenn auch im April ungewohnt, war „Tochter Zion“. Doch was viele nicht wissen: Das bekannte Adventslied war ursprünglich für den Palmsonntag gedacht. – Nun hat die Karwoche begonnen. Das Palmkreuz steht auf meinem Schreibtisch. „Es hält mindestens 38 Jahre“, hat Lekanka Gaiser gestern versprochen. Das, nehme ich mir vor, werde ich herausfinden!

Fr 8.4.22, 8:39: Nicht mehr lange, dann ist Ostern. Und wir nähern uns dem Höhepunkt des Kirchenjahres mit viel Segen – und reichlich Spaß. Aber Moment. „Das ist doch voll peinlich.“ So ähnlich hieß es am Mittwochabend dauernd. „Hier kennen uns alle.“ Was war passiert? Unsere Konfis standen mit Straßenkreide vor der Bushaltestelle in Kladow-Dorf. Sie sollten „Segenssprüche“ auf den Gehweg schreiben. Und zwar unter den Augen der Passanten. Zugegeben, etwas Überwindung war schon dabei. Aber auch viel Lachen und Kichern. Das war eine von fünf Stationen, die Sarah Dallimore vorbereitet hatte. Die Konfi-Einheit zum Segen war ihre „Sichtstunde“ in der Ausbildung zur Gemeindepädagogin. Als Gesegnete gehen wir heute Abend um 18 Uhr in den Jugendgottesdienst in der Schilfdachkapelle. Mit dabei ist die Jugendband „FiveLines“. Musikalisch und literarisch geht es morgen beim Konzert des „Chors unterm Schilfdach“ weiter: Bach, Mozart und Chopin, aber auch Kästner, Gogol und Kaléko stehen um 17 Uhr auf dem Programm. An Palmsonntag gibt es einen Spaß für Groß und Klein. Wir feiern um 11 Uhr einen Familiengottesdienst, bei dem es Palmkreuze für die Besucher geben wird. Und wer noch nach Ostergeschenken sucht: Ebenfalls am Sonntag findet von 12 bis 14 Uhr an der Schilfdachkapelle der Schenkflohmarkt statt.

Mo 4.4.22, 8:51: Ich war gestern während des Gottesdienstes hin und wieder etwas abgelenkt. Das muss ich schon sagen. Aber selbst bei der Predigt habe ich die Kinder aus den Augenwinkeln gesehen, wie sie vor der Schilfdachkapelle schwer geschuftet haben – mit Schippen, Spaten und der großen Schubkarre. Am Ende waren tatsächlich zwei Kubikmeter Erde zum „Osterhügel“ aufgeschüttet. Großartig! Gleich nach dem Gottesdienst haben mir die Kinder erklärt, was dort zu sehen ist. „Das hier ist Karfreitag“, meinte eine Achtjährige. Mit dem Finger zeigt sie auf die drei Kreuze ganz oben. „Weil Jesus der Größte ist, bekommt er das größte Kreuz in der Mitte.“ Einleuchtend. „Da unten ist Ostern“, ergänzt eine Elfjährige. Der große Stein vor dem Felsengrab ist wirklich nicht zu übersehen. „Da kommt Jesus rein, bleibt aber nicht lange.“ Das Geheimnis der Osternacht, kurz und bündig erklärt. Meine größte Sorge ist nun, dass nicht nur Spaziergänger am Osterhügel stehen bleiben. Den ersten Hundebesitzer habe ich am Nachmittag, kurz vor Beginn des Kinderkinos, vom Grab verscheucht. Mit lauter Stimme habe ich einen Vers aus dem Osterevangelium aus der Kirche gerufen: „Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier.“ Herrchen und Hündchen haben sich erschrocken umgedreht – und sind weiter gegangen.

Fr 1.4.22, 8:28: Wenn Krieg ist, zählt nichts anderes mehr. Und erst wenn der Krieg vorbei ist, kann auch das Leben wieder neu beginnen. Diesen Gedanken hat der österreichische Dichter Ernst Jandl in „markierung einer wende“ festgehalten. Es ist ein experimentelles Gedicht in zwei Spalten, oben die Jahreszahlen 1944 und 1945, darunter immer wieder „krieg“ – bis zum Friedensmonat „mai“. Eindrucksvoll. Und doch: Ich schaue zurzeit mit anderen Augen auf dieses Gedicht. Denn wieder herrscht Krieg und viele Gespräche kennen kein anderes Thema mehr. Aber ich merke, wie ich gedanklich einerseits mitten drin stecke, andererseits weiter leben möchte. So lese ich in dieser Woche mit gemischten Gefühlen vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, der über die Absage des Oktoberfestes nachdenkt – „wegen des Krieges“. Nachvollziehbar, anderseits führt das doch nur in Widersprüche, wenn wir Feste und Feiern absagen, bis es keine Kriege mehr gibt auf der Welt. Oder? „Und wo bleibt die Freude?“, lautet die Frage, um die es am Sonntag im Gottesdienst gehen wird. Wobei mindestens die Kinder in der „Kirche im Wald“ viel Spaß haben haben. Und am Nachmittag kommt die Freude auch nicht zu kurz. Das Kinderkino findet statt: „Petterson und Findus – Findus zieht um.“ Es gibt noch wenige Plätze – aber bitte vorher anmelden!

Mo 28.3.22, 8:56: Auf die Stimmen der Kinder zu hören. Das kann manchmal so einfach sein. Vor einigen Wochen hatte Lekanka Gaiser die Idee für die „Fürbitte der Kinder“. Und seitdem beten bei uns regelmäßig Kinder für die Erwachsenen. Gestern hatte Klara ein Gebetsanliegen vorbereitet. Die Elfjährige trat selbstbewusst vor der Schilfdachkapelle ans Mikrofon. Sie schaute in die Gemeinde. Wegen des schönen Frühlingswetters hatten wir den Gottesdienst spontan nach draußen verlegt. Klara betete: „Lieber Gott, ich bitte dich, dass Vorurteile gegen Russland verschwinden, nicht ganz Russland hat Schlimmes getan, es ist Putins Krieg, nicht der von den Menschen in Russland.“ Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen waren also auch gestern wieder Thema. Aber es ging auch um Lichtblicke, um Momente, die Mut machen. So wie die Aktion der Jugendlichen zum „Klimafasten“. Unsere Teamerinnen Alina Kühn und Caro Kühl hatten sich mit „Restekochen“ beschäftigt. Konfirmandin Salome Manyak stellte Rezeptideen von Kartoffelauflauf bis Baisers vor. Auch darüber wurde später bei Kaffee und Kuchen gesprochen. Und natürlich wurden die Osterkerzen bestaunt, die in der „Kirche im Wald“ gebastelt worden waren. Niemand musste mit leeren Händen nach Hause gehen. Und sei es mit dem Moos vom alten Schilfdach, das Manfred Gummi gesammelt hatte: „Erinnerungsstücke zum Mitnehmen.“

Fr 25.3.22, 8:30: Es gibt Filme, die mir auch noch nach Jahren nicht aus dem Kopf gehen. Und wie gerne würde ich sagen können, dass es sich dabei vor allem um anspruchsvolle Werke handelt. Aber nein. So was wie „Crocodile Dundee“ eher. Diese Szene zum Beispiel, wo der australische Krokodil-Jäger nachts in New York von Gangstern überfallen wird. „Sie haben ein Messer“, flüstert ängstlich seine Begleiterin. Und er? Lacht: „Das ist doch kein Messer, DAS ist ein Messer.“ Und holt ein Messer von der Größe eines französischen Baguettes hervor. Einer der Gangster sagt noch: „Scheiße.“ Und dann suchen sie das Weite. Ach, herrlich. So albern kann Abschreckung funktionieren. Und die Macht des Stärkeren. Zumindest in Friedenszeiten. Aber in Kriegszeiten? Am Sonntag steht ein Seufzer als Überschrift über dem Gottesdienst: „Ach, Mensch.“ Um Menschlichkeit soll es gehen und um die Frage, was es braucht, um in diesen Zeiten menschlich zu bleiben. Wir feiern wie immer um 11 Uhr „drinnen & draußen“. Lekanka Gaiser bastelt in der „Kirche im Wald“ mit den Kindern eine Osterkerze. Und am Abend geht der Sonntag sogar noch in die Verlängerung: Um 18 Uhr treffen wir uns vor der Schilfdachkapelle. Diesmal führen Leoni Rademacher und Lekanka Gaiser durch das Friedensgebet.

Fr 18.3.22, 8:25: Gestern am Frühstückstisch. Im Hintergrund die Nachrichten im Radio. Mein Sohn sagt: „Wir haben echt Glück, dass Deutschland zur Nato gehört.“ Ich denke: Wie bitte? Er ist sechs Jahre alt. Er geht zur Kita. Ich trinke einen Schluck. Ohne Kaffee diskutiere ich nicht über Verteidigungspolitik. Aber mir wird erneut bewusst, wie sehr der Krieg in der Ukraine auch die Kleinen und Kleinsten umtreibt. Das haben wir in dieser Woche auch in der Schule erlebt. Immer montags geben Leoni Rademacher und ich Religionsunterricht an der Mary-Poppins-Grundschule. Diesmal sind wir mit unseren Religionsklassen raus gegangen. Aufgabe: Sie sollten ein Bodenbild zum Thema „Glück“ legen – mit Dingen, die sie auf dem Schulhof finden. Und auch hier ging es um den Krieg. Für ein Bodenbild hatten zwei Viertklässler die in der Pause vergessenen Brotboxen eingesammelt. Sie legten einen Regenbogen, darunter die Fahnen der Ukraine und Russlands, in der Mitte das Friedenszeichen. „Glück gibt es erst wieder, wenn Frieden herrscht“, erklärte eine Elfjährige. Das hat mich berührt. Und lässt mich immer noch nicht los. Am Sonntag beten wir für Frieden. Das Friedensgebet findet um 18 Uhr vor der Dorfkirche Groß Glienicke statt. Am Sonntagvormittag ist Pfarrer Mathias Kaiser um 11 Uhr in der Schilfdachkapelle zu Gast. Herzliche Einladung!

Mi 16.3.22, 8:10: Ich werde wohl nie vergessen, wie ich Peggy Trommer kennen gelernt habe. Das muss jetzt so anderthalb Jahre her sein. Zu einer Zeit jedenfalls, als keiner wusste, woher das Geld für die anstehende Reparatur unseres Schilfdaches kommen sollte. „Ich kann doch Kissen nähen, die ihr verkaufen könnt.“ Das war Peggys Vorschlag. Und ich weiß noch, wie ich insgeheim so bei mir dachte: Schöne Idee, aber unser Dach werden wir damit nicht finanzieren können. Doch, nun, wie soll ich sagen? Das war wahrscheinlich die größte Fehleinschätzung, seitdem ich Pfarrer an der Schilfdachkapelle bin. Denn Peggy fing an zu nähen – und die „Kollektion Schilfdach“ wurde größer und größer. Bald kamen Taschen und Hemden und Geldbeutel dazu. Und immer mehr Menschen wurden aufmerksam und spendeten oft sogar, ohne etwas zu kaufen. Inzwischen haben wir die rund 30.000 Euro für die Reparatur zusammen. Am Montag ist Dachdecker Florian Bierbaum mit seiner Mannschaft angerückt. Schadhafte Stellen des Schilfdaches wurden entfernt und durch neues Schilf ersetzt. Bis Ende der Woche wollen sie bereits fertig werden. Tagsüber stehen unsere Kita-Kinder am Zaun und schauen zu. Und ich stehe voller Dankbarkeit daneben und denke, wie viele Menschen dazu beigetragen haben - eine Frau in besonderer Weise. Danke, Peggy!

Mo 14.3., 8:23: Das war gestern schön. Nicht unbeschwert. Nein. Das nicht. Der Schatten des Krieges in der Ukraine reicht dafür zu weit – auch bis hinein in den Gottesdienst. Aber gerade deshalb hat es gut getan, als Gemeinde zusammen zu sein. Und zusammen zu bleiben nach dem Gottesdienst. Die Kinder haben alle Besucher noch in die „Kirche im Wald“ eingeladen. Schließlich mussten die neuen Sitzkissen von Peggy Trommer eingeweiht werden. Dazu gab es im Rahmen der Konfi-Aktion „Klimafasten“ vegan-vegetarisches Fingerfood, das von den Kindern und Jugendlichen vorbereitet worden war: Bulgur-Kräuter-Salat, Hummus oder Ebly mit Gemüse. „Nie gehört“, meinte ein Vater mit vollem Mund. „Schmeckt aber.“ Das Projekt, zu dem es ein schön gestaltetes Rezeptheft gibt, haben Leoni und Lilli Rademacher verantwortet. Dorothea Karsten und Anna Kalinkat waren als Konfirmandinnen dabei. „Wir wollten zeigen, dass auch Gerichte ohne tierische Produkte lecker sind.“ Nach langer Corona-Pause gab es auch wieder „Kirchen-Café“, vorbereitet von Katrin Buchholz. Für kurze Zeit rückten alle Kriegsnachrichten in den Hintergrund. Aber dann doch nicht so ganz. Sowohl einzelne Geflüchtete aus der Ukraine als auch gastgebende Familien waren gestern mit dabei. Und Überlegungen, wie wir als Gemeinde weiter helfen können, werden uns auch diese Woche beschäftigen.

Fr 11.3.22, 8:38: Ich bin ein Kind des Kalten Krieges. Geboren und aufgewachsen in Berlin, West-Berlin, Mauerstadt. Es soll auch Menschen auf der anderen Seite der Mauer geben? Das war für mich als Kind der achtziger Jahre nur eine Behauptung der Nachrichtensprecher im Fernsehen. Doch dann kam „Russians“, das Lied von Sting, im Jahr 1985 war das. „We share the same biology/ Regardless of ideology/ What might save us, me, and you/ Is if the Russians love their children too.“ Ein Lied, das meinen Blick auf die Welt verändert hat. „Dass dieser Song noch einmal Relevanz bekommen würde, hätte ich auch nicht gedacht“, hat Sting vorige Woche gesagt, 70 Jahre alt ist er inzwischen. Dann hat er „Russians“ neu eingespielt. Gänsehaut. Was für eine Welt ist das, in der wir leben? „Die Welt steht Kopf“, lautet die Überschrift über dem Gottesdienst am Sonntag, den Michael Hoeldke mit „Russians“ auf dem Klavier eröffnen wird. Herausfordernde Tage liegen hinter uns, mit Friedensgebet, Sammelaktion und Hilfsangebotenen für Geflüchtete aus der Ukraine. Am Sonntag werden wir versuchen, den richtigen Ton zu treffen zwischen Nachdenklichkeit und Fröhlichkeit. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass die „Kirche im Wald“ mit Lekanka Gaiser wieder startet. Ab jetzt grundsätzlich jeden Sonntag.

Fr 4.3.22, 8:28: Nein, einfach ist das zurzeit nicht. Wenn Kinder die Nachrichten im Radio hören, Bilder vom Krieg in der Ukraine im Fernsehen sehen oder erleben, wie sich Erwachsene unterhalten. Kinder sind einer Bedrohungslage ausgesetzt, schon wieder, die sie nur schwer verstehen können. So wichtig es ist, mit Kindern darüber im Gespräch zu sein, so sehr freue ich mich, wenn es Nicolas Budde und mir gelingt, ab und zu einen Kontrapunkt zu setzen. Etwa gestern in der „Kinderkirche“: Unbeschwert und fröhlich war es – und das war gut. Kinder und Familien stehen auch am Sonntag im Mittelpunkt. Um 10.30 Uhr feiern wir einen regionalen Familiengottesdienst im Gemeindegarten der Dorfkirche. Dabei geht es um eine „einzigartige Blumenwiese“ und eine erste Aktion des „Klimafastens“ unserer Jugendlichen. Am Nachmittag ist „Kinderkino“ – um 16 Uhr zeigen wir den Zeichentrick-Klassiker „Konferenz der Tiere“ in der Schilfdachkapelle. Aber bitte unbedingt anmelden – wir müssen die Platzanzahl weiterhin stark begrenzen! Bereits heute ist um 18 Uhr der Weltgebetstag in der Schilfdachkapelle. Am Sonntag klingt das Wochenende vor der Schilfdachkapelle um 18 Uhr mit dem ersten wöchentlichen Friedensgebet der Passionszeit aus. – Heute Abend werden alle Sachspenden abgeholt, morgen werden sie an die ukrainisch-slowakische Grenze gefahren. Danke für die große Hilfsbereitschaft!

Mi 2.3.22, 9:41: Es ist zurzeit vieles in Bewegung. Und das ist bestimmt keine Übertreibung. Heute ist Aschermittwoch. Gerade haben wir uns vor der Schilfdachkapelle zum Morgengebet versammelt. Ich habe das Aschekreuz ausgeteilt. In der Mitte unseres Gebetskreises das knapp drei Meter hohe Holzkreuz, das Robert Gummi aus einem umgestürzten Baumstamm aus dem nahen Wäldchen hergestellt hat. Wir haben für Frieden gebetet und Kerzen entzündet. Und ich freue mich sehr, dass wir ab sofort auch bei uns im Gemeindehaus an der Waldallee eine Sammelstelle für Hilfsgüter haben, die in das Kriegsgebiet gebracht werden. Miriam Klein hat gestern den Kontakt zur Ukrainischen Pfarrei St. Nikolaus in Berlin-Johannisthal hergestellt. Dort stehen engagierte Helfer in Verbindung mit Menschen in der Ukraine. Benötigt werden vor allem alltägliche Gegenstände, lang haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und Medizin. „Die Spenden werden von freiwilligen Helfern in die ganze Ukraine verteilt, an die Front, an Krankenhäuser und Flüchtlingslager“, sagt die in Berlin lebende Ukrainerin Lesya, deren Eltern zurzeit ein Flüchtlingscamp an der slowakisch-ukrainischen Grenze leiten. Dorthin, gleich am Samstag, 5. März, geht ein erster Transport. Hier wird vor allem Unterstützung für Babys und Kleinkinder benötigt: Kleidung, Nahrung und Hygieneartikel. Alle Spenden könnten in den Gemeinderaum gebracht werden. Weitere Infos im Anhang.

Mo 28.2.22, 8:49: Auf den ersten Blick ein Sonntag wie andere auch. Die Sonne scheint. Es ist kalt. Aber der Frühling liegt in der Luft. In der Schilfdachkapelle sind alle Plätze besetzt, die zurzeit zur Verfügung stehen. Draußen, mit Decken und Kissen, sitzen noch einmal 32 Gottesdienstbesucher. Alles wie immer also? Nein. Die Stimmung ist verhalten angesichts der Nachrichten aus der Ukraine. Und wir feiern einfach  Gottesdienst? Natürlich. Gerade jetzt. Wir hören die „Bitten der Kinder“ von Bertolt Brecht: „Die Nacht soll für den Schlaf sein. Die Mutter soll nicht weinen. Keiner soll müssen töten einen.“ Dazu, immer wieder: Was können wir tun? Beten, klar. Für die Menschen in der Ukraine sammeln, klar. Mit Franziskus von Assisi sprechen: „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist.“ Was kommt? Keiner weiß es. Bei uns feiern die Kinder der Kita morgen Fasching – und das sollen sie auch. Sie müssen, schon wieder, mit einem Großereignis umgehen lernen, das ihnen Angst macht. Am Aschermittwoch teilen wir dann das Aschekreuz aus: Morgens um 9 Uhr beim Morgengebet vor der Schilfdachkapelle, abends bei der Vesper um 18.30 Uhr in der Dorfkirche.

Fr 25.2.22, 8:15: „Rette sich, wer kann.“ Es ist das alte Überlebensmotto, das wieder eine erschreckende Aktualität bekommen hat. Als dieser Satz fällt, stehe ich gerade auf der Stadtautobahn im Stau und höre eine Reportage über die Ukraine. Nichts geht voran. Minutenlang. Dafür viel Blaulicht vor mir. Nanu? Dazu ein regelrechtes Hupkonzert an der Spitze des Staus. Was ist denn hier los? Ah, endlich verstehe ich – „Lebensretter“: Junge Aktivisten, die sich an der Straße festgeklebt haben. Und während ich warte, lese ich auf dem Handy über den „Aufstand der letzten Generation“. Von „Klima-Chaoten“ ist die Rede und von „gefährlichen Irren“. Die Kritik kommt aus allen politischen Lagern. Verständnis für die selbst ernannten „Klimaretter“? Fehlanzeige. Ich will auch raus aus dem Stau. Aber ich frage mich: Hatten wir uns als Gesellschaft nicht gerade erst vorgenommen, mehr auf die Jungen zu hören, Verständnis aufzubringen für Sorgen und Ängste? Stattdessen Spott und Ärger. Und nun richte ich den Blick auf den Gottesdienst am Sonntag. Es wird um Krieg und Klima gehen, so viel ist klar. Und um die Frage: Sind wir noch zu retten? Ich bin um 10 Uhr in der Dorfkirche Kladow, direkt danach wie gewohnt um 11 Uhr in der Schilfdachkapelle. Herzliche Einladung.

Mi 23.2.22, 8:09: Unser Lastenrad ist angekommen. Es heißt „Schilfi“ und macht richtig Spaß. Gestern sind unsere Bundesfreiwillige Leoni Rademacher und ich gleich ein paar Runden um den Wendekreis geradelt. „Platz da! Aus dem Weg!“ – für kurze Zeit waren nur Rufe und Fahrradklingeln vor der Schilfdachkapelle zu hören. Unser Haus- und Kirchwart Valerij Janke ist sicherheitshalber einen Schritt zur Seite gegangen. „Man muss sich erst an das etwas andere Fahrgefühl gewöhnen, aber dann macht es umso mehr Spaß“, lautet das Fazit von Leoni Rademacher. „Schilfi“ ist übrigens nicht allein. Es gehört zur „fLotte“, einem Projekt des Fahrrad-Clubs ADFC, das die Verkehrswende voran bringen möchte. Dabei heißt es: Teilen, nicht besitzen – alle Räder werden kostenlos verliehen. Allein in Spandau gibt es zehn weitere Standorte. In Kladow steht mit dem „Imchen“ ein zweites Lastenrad vor dem 2RadLaden. „Schilfi“ und „Imchen“ sind in einer von Stadtteilkoordinatorin Gerit Probst organisierten Feier am Montag übergeben worden. Bezirksbürgermeisterin Carola Brückner hat beide „getauft“. Das war für mich mal etwas Neues, bei einer Taufe nur daneben zu stehen. Die Ausleihe ist ganz einfach: Unter flotte-berlin.de registrieren, den passenden Standort suchen – und los geht’s. „Schilfi“ steht ab sofort unter der Überdachung am Gemeindehaus an der Waldallee bereit. Gute Fahrt!

Mo 21.2.22, 9:19: Das hatte gestern was von Klassenfahrt. Es war wie ein gemeinsamer Ausflug von Kladow nach Charlottenburg, von der Schilfdachkapelle zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Und hinterher habe ich mich über Ina Löddens Worte gefreut: „Es war ein ganz besonderer Gottesdienst.“ Für mich war es besonders schön, bei der Predigt in so viele vertraute Gesichter blicken zu können. „Die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, ich war vorher noch nie in der Gedächtnis-Kirche“, meinte Katrin Buchholz. Sie war, wie einige andere auch, bereits am Vormittag im Gottesdienst gewesen. Nun saß sie mit Manfred Gummi, Ina Lödden sowie Jutta und Norbert Schön zusammen – sozusagen im „Kladower Block“, während rund 15 weitere Schilfdach-Besucher unter den insgesamt 80 Gottesdienstbesuchern in der Kirche verteilt waren. „Jazz- und Popmusik am Sonntagabend in den Gottesdienst zu holen, das ist unser Konzept“, so Kirchenmusiker und Komponist Helmut Hoeft. Wie schön sich das anhören kann, war gestern zu hören: Lisa Hoppe (Bass), Danielle Friedmann (Klavier) und Paul Berberich (Saxofon) haben mit Jazzmusik den Gottesdienst und den Gemeindegesang begleitet. „Manches war anders, aber die Abläufe vor dem Gottesdienst waren eigentlich wie immer“, hat Leoni Rademacher beobachtet. Schön war es. Großartig, diese PsalmTon-Gottesdienste – danke für die Einladung!

Fr 18.2.22, 8:59: Am Ende lagen sie gestern bunt durcheinander gewürfelt auf der Straße. Die gelben, blauen und schwarzen Mülltonnen, die der Sturm „Ylenia“ wie Spielsteine hin und her geschoben hatte. „Es wird Frühling, die Mülltonnen kehren aus dem Süden zurück“, kommentierte den Anblick ein Nachbar trocken. Darüber hinaus waren zahlreiche Bäume umgestürzt – auf Straßen, Dächer und Autos. Und mancher, der wegen des Sturms in der Nacht kaum in den Schlaf gefunden hatte, wird auch wieder voller Sorge gewesen sein. Und ich denke an Jesus, der inmitten eines Sturms in aller Seelenruhe auf einem Boot geschlafen hat. Und überhaupt, dauernd wird in der Bibel geschlafen! Ein Prophet legt sich zur Mittagspause in den Schatten, ein König zur Frau seines Nachbarn, andere träumen von Gott. Und dann ist da dieser Psalmvers: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ Ich wollte schon immer einmal darüber predigen. Am Sonntag ist es soweit. Ich bin um 18 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Gast, um dort einen der „PsalmTon“-Gottesdienste zu feiern. Ich freue mich darauf. In der Schilfdachkapelle findet um 11 Uhr der Gottesdienst mit Pfarrer Nicolas Budde statt. Dabei geht es nicht ums Schlafen, sondern ums Hören. Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten am Sonntag!

Mo 14.2.22, 8:43: Schokolade ist die Antwort Gottes auf Rosenkohl. So heißt es doch. Jedenfalls haben wir am Vortag des Valentinstages zu diesen Worten gestern Schokolinsen im Gottesdienst verteilt. Hübsch verpackt in weißen Organzasäckchen und bedruckt mit Herzchen und der Schilfdachkapelle. „Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.“ Diese Worte aus dem Gedicht von Erich Fried waren da gerade erst verklungen. „Es ist, was es ist, sagt die Liebe.“ Das war dann der süße Abschluss eines Wochenendes voller Liebe – mit zwei Gottesdiensten, die kaum unterschiedlicher sein konnten. Am Sonntagvormittag bunt und fröhlich. Am Samstagabend wehmütig und mit stillem Schmerz. „Über den Trost“ hatten wir den Abendgottesdienst mit Verstorbenen-Gedenken überschrieben. Dazu Trostworte aus der Bibel gehört und von Dietrich Bonhoeffer. Über die Lücke etwa, die der Verlust eines geliebten Menschen hinterlässt: „Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie gar nicht aus, sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt, und hilft uns dadurch, unsere echte Gemeinschaft – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren“, schreibt Dietrich Bonhoeffer. Schwere Gedanken. Tröstliche Gedanken. Und dazu hat Merle Remler gesungen, worauf es, „Most of All“, in den Worten von Brandi Carlile ankommt: „Oh, give your love away/ And remember what comes back to you.“

Fr 11.2.22, 8:34: Wenn ein neuer „Südwind“ erscheint, wird es bei uns  betriebsam. Erst einmal hält der Paketbote hupend vor dem Gemeindehaus. Mit einem schweren Seufzer schleppt er die 16 Kisten mit den 3.500 Druckexemplaren aus seinem Lieferwagen. Dann kommen Reinhard Schütz und Manfred Gummi dazu. Mit Unterstützung von Nadine Kleinicke und Leoni Rademacher sitzen die beiden stundenlang im Gemeinderaum, um für jeden Straßenzug die richtige Anzahl an Exemplaren für die Austrägerinnen und Austräger abzuzählen. „Nein, nein“, widerspricht Manfred Gummi. „Wir zählen nicht, wir wiegen.“ Genau 126 Gramm zeigt seine Waage für einen „Südwind“ an. Diesmal kommt noch der Flyer des Förderkreises dazu, der beigelegt wird. Denn mit Christoph Oeters und Jörg-Andreas Sausel kommen im aktuellen „Südwind“ die Vorsitzenden des Förderkreises der Schilfdachkapelle und Freundeskreises der Dorfkirche zu Wort. Der „Südwind“ kann nun verteilt werden. Die Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auf die Gottesdienste am Wochenende. „Über den Trost“ ist der Abendgottesdienst mit Verstorbenen-Gedenken am Sonnabend um 18 Uhr überschrieben. Am Sonntag lautet die Überschrift dagegen: „Schön ist der nicht“ – es geht um die Liebe, einen Museumsbesuch und natürlich den Valentinstag. Ach so, eins noch: „Süß“ wird der Sonntagsgottesdienst werden – das verspreche ich schon jetzt. Aber mehr werde ich noch nicht verraten.

Di 8.2.22, 8:29: Immer am letzten Freitag im Monat findet das Kladower Trauercafé statt. Dann werden Erfahrungen weiter gegeben.  Und Geschichten erzählt, bei denen es um das Trauern und Trösten geht. Dabei entsteht ein besonderer Raum des Vertrauens. Wertvolle Nachmittage sind das. Und das Vorbereitungsteam gestaltet alles bis hin zum Tischschmuck mit großer Sorgfalt. Beim vorigen Mal war die Kaffeetafel mit Mutmachversen, Glaskugeln und Kerzenlicht vorbereitet. Der Kuchen kam von Monika Isbarn. Eigentlich war beim alles so schön wie immer. Und doch war beim vorigen Mal etwas anders. Ein Engel war mit dabei. Er hörte sich alles an. Sah uns mit seinem milden Blick zu. Es war der „Engel mit den verbundenen Händen“, das Gemälde der Künstlerin Beatrice Falck, das nun als Leihgabe von Christoph Oeters dauerhaft im Gemeinderaum zu sehen ist. Nur am Sonnabend zieht der Engel noch einmal um und ist bei unserem Abendgottesdienst am 12. Februar um 18 Uhr dabei. Der Gottesdienst steht unter der Überschrift: „Über das Trösten.“ Ein Gottesdienst für Menschen mit Verlusterfahrungen, der von Merle Remler und Michael Hoeldke musikalisch gestaltet wird. Und während wir Kerzen für unsere Verstorbenen anzünden, schaut uns der Engel wieder zu. Und ich bin mir sicher: Der Engel wird uns Trost spenden.

Fr 28.1.22, 8:49: In jeder Kirchengemeinde gibt es Menschen, die den ganzen Laden zusammen halten. Die mit dem Herzen dabei sind, die Verantwortung übernehmen. Das sind ganz besondere Menschen. Menschen wie Katrin Buchholz. Vor fünf Jahren bin ich Pfarrer an der Schilfdachkapelle geworden. Da war sie schon Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Ein Amt, das sie zwar in der Zwischenzeit niedergelegt hat. Aber für zahlreiche kleinere und größere Aufgaben ist sie weiterhin verantwortlich. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie beim „Amt für kirchliche Dienste“ (AKD) eine Ausbildung absolviert, durch die sie nun selbstständig Gottesdienste anleiten kann. Was für ein durch und durch evangelischer Ansatz! Der Gedanke, dass jeder als Liturg vor die Gemeinde treten kann, der sich dazu berufen fühlt. Und das ganz unabhängig von der Ordination zur Pfarrerin oder zum Pfarrer. „Nun kann ich auch auf diese Weise meiner Liebe, Freude und Spaß am und im Gottesdienst nachspüren“, sagt Katrin Buchholz. Und das merkt man. Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit. Dann wird sie um 11 Uhr den Gottesdienst in der Schilfdachkapelle anleiten. In der so genannten „Lesepredigt“ wird es um ganz besondere Gipfelerlebnisse gehen. Ach, ich bin froh, dass es dich gibt, Katrin! Ohne dich wäre unsere Gemeinde eine andere.

Mo 24.1.22: So einen Friedensgruß hatte ich vorher auch noch nicht gehört. „Du bist ein Selfie Gottes.“ Diese Worte haben sich die Besucher in der Schilfdachkapelle gestern mit einem Lächeln zugesprochen. Und ich gebe zu, etwas ungewohnt war das schon. Auf der anderen Seite hat dieser Friedensgruß auch gepasst. Immerhin ging es zuvor in der Predigt um Bilder, Selbstbilder und den Menschen als Selbstporträt Gottes. Am Ende der Predigt sind einige unserer Konfirmanden herumgegangen und haben ein „Smile to go“ verteilt. „Aber ich lächle doch immer, wenn ich aus dem Gottesdienst komme“, meinte Reinhard Schütz dazu. Aber ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Denn ich hatte vor dem Gottesdienst etwas vollmundig versprochen, dass wirklich alle der rund 60 Besucher mit einem Lächeln nach Hause gehen würden. Mit einem Lächeln vor die Gemeinde getreten ist schließlich Eric Kühn. Der 15-Jährige ist seit seiner Konfirmation in der regionalen Konfirmandenarbeit als Teamer aktiv. In unseren Kladower Gemeinden wird er als einer von drei Schulpraktikanten die Woche verbringen, kommt auf den Friedhof mit, erlebt die Schlussproduktion unseres Gemeindemagazins und bereitet das Trauercafé am Freitag mit vor. Und hoffentlich wird es uns gelingen, dass er am Ende mit einem Lächeln auf sein Schulpraktikum zurückblicken wird.

Fr 21.1.22, 8:22: Ich höre es immer wieder. Und es stimmt wohl auch. Zurzeit gibt es nur wenig zu lachen. Zumindest wenn die Nachrichten im Fernsehen dafür der Maßstab sind. Auf der anderen Seite: Wäre doch gelacht, wenn man da nichts drehen könnte. Schon meine Großmutter hat schließlich  gewusst: Lachen ist die beste Medizin – vor allem gegen miese Laune. Apropos, fällt mir doch neulich ein altes Familienfoto in die Hände. Mehr als 100 Jahre alt. Meine Großmutter mit ihren Eltern. Studioaufnahme. Und? Keiner lacht. Ich nehme weitere alte Schwarzweißaufnahmen in die Hand. Wieder nichts. Nicht einmal ein Lächeln. Hm. Ich werfe einen flüchtigen Blick in das Gesamtverzeichnis der Gemäldegalerie. Selbst die Geschichte der Porträtmalerei ist eine Geschichte der ernsten Gesichter. Und nun ist daraus die Überschrift des Gottesdienstes am Sonntag geworden: „Bitte nicht lächeln!“ Es geht um Selfies, Porträts und um uns Menschen als Ebenbilder Gottes. Alina Kühn ist Lektorin. Leoni Rademacher schreibt die Abkündigungen und trägt sie auch vor. Reinhard Schütz hat Kirchdienst. Manfred Gummi baut die Technik auf, Robert Gummi die Feuerkörbe. Nur die „Kinderkirche im Wald“ muss noch pausieren. Um 11 Uhr geht es „drinnen & draußen“ los. Und ich verspreche: Am Ende wird jeder mit einem Lächeln nach Hause gehen.

Di 18.1.22, 8:12: Die Tage werden wieder länger. Die Nerven nicht. Der Alltag funktioniert in vielen Familien längst wieder nach dem Drehtür-Prinzip. An dem einen Tag: Oh, die Kinder dürfen in die Kita oder Schule? Am anderen: Ah, Unterrichtsausfall, Distanzunterricht, Quarantäne. Gestern teilt das Gesundheitsamt mit: Nur noch positiv Getestete müssten in Quarantäne, Kontaktpersonen nicht mehr – und die Kontaktnachverfolgung habe man auch aufgegeben. Sollen unsere Kinder nun also im Zeitraffer durchseucht werden? „Warum sind Sie denn so gereizt?“, fragt mich nach dem Gottesdienst am Sonntag eine Besucherin. Sie ist mit einer Gruppe von Impfgegnern gekommen, um die Predigt über meinen „Spaziergang“ mit Corona-Leugnern zu hören. Was sie gehört haben, hat ihnen nicht gefallen. Und ich merke im Nachgespräch selber, wie ich immer ungeduldiger werde mit Menschen, die nicht anerkennen, dass das Coronavirus schwere Krankheiten verursacht und Impfungen schützen. Hitzig war die Diskussion, und das lag nicht an unseren Feuerkörben. Meine Gedanken aber beschäftigen sich mehr mit den vielen erschöpften Familien. Mir gibt der Zuspruch, den Josua in schwierigen Zeiten erhalten hat, neue Kraft: „Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; dein Gott ist mit dir in allem, was du tun wirst.“

Fr 14.1.22, 8:49: Sagt neulich ein Freund am Telefon zu mir: „Lass uns doch mal wieder spazieren gehen.“ Und ich denke, was für eine schöne Idee. Eigentlich. In Corona-Zeiten zumal. Aber ich zucke doch kurz zusammen. Spazieren? Der an sich so harmlose Begriff hat für mich einen neuen Klang bekommen. Seit sich Corona-Leugner als „Spaziergänger“ ausgeben, um gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu protestieren. Und ich überlege, ob das „Spazierengehen“ nun der nächste Begriff ist, dem eine Umdeutung bevor steht. So wie das schon mit dem „Querdenken“ passiert ist. Oder kann sich jemand ganz unbefangen daran erinnern, was das vor Beginn der Pandemie einmal bedeutet hat? Am Montagabend, vor wenigen Tagen, habe ich mich auf den Weg gemacht. Mit mehreren Hundert anderen „Spaziergängern“ bin ich vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor gelaufen. Für den Gottesdienst am Sonntag ist daraus diese Überschrift geworden: „Ja, wo laufen sie denn?“ Es wird um Spaziergänger und Protest gehen – und was ein Provokateur namens Jesus damit zu tun haben könnte. Wir feiern wie immer um 11 Uhr „drinnen & draußen“. In der Schilfdachkapelle unter 2G (plus Abstand und Maske), auf dem Vorplatz mit den alten Corona-Regeln. Die „Kinderkirche im Wald“ muss leider noch pausieren.

Fr 7.1.22, 8:29: Es war kurz vor dem Dreikönigstag. Ich lehnte mit beiden Armen über dem Gitter des Schafgeheges an der Schilfdachkapelle. Herr Rackelmann und seine vier Schafsdamen hatten gerade Futter bekommen. Eine Spaziergängerin blieb neben mir stehen. „Gold, Weihrauch und Myrrhe waren die Geschenke früher“, sagte sie. „Mon Chéri, Seife und Blumen sind die Geschenke heute.“ Für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Wie war sie beim Anblick der Schafe auf die Heiligen Drei Könige gekommen? Und überhaupt mag ich Mon Chéri eigentlich ganz gerne. Aber meine Neugier war geweckt, was Caspar, Melchior und Balthasar zur „Aktion am Dreikönigstag“ gestern mitbringen würden. Am Ende gab es Kerzen, Jahressprüche und den Haussegen „20*C+M+B+22“ für die rund 50 Besucher. Schön war es, die Konfirmanden noch einmal in den Kostümen des Krippenspiels zu sehen. Zum „Stern über Bethlehem“ sind wir um den Wendekreis prozessiert – und hinterher an den Feuerkörben bei Kaffee und Tee, Stockbrot und Gebäck noch etwas zusammen geblieben. „Ist Weihnachten nun vorbei?“, hat mich ein Sechsjähriger ganz traurig gefragt und war erleichtert, dass unser Weihnachtsbaum noch stehen bleiben wird. Am Wochenende habe ich dienstfrei. Aber Pfarrer Nicolas Budde wird mich beim Gottesdienst um 11 Uhr vertreten.

Mi 5.1.22, 8:45: Wer schon einmal mit Sternsingern unterwegs war, hat hinterher meist etwas zu erzählen. Von lustigen Begegnungen zum Beispiel. „Wir kaufen nichts“, gehört zu den Klassikern unter den Sprüchen, die alle Heilige Drei Könige kennen, die ohne Ankündigung an fremden Haustüren klingeln. Sehr geistreich auch die Begrüßung: „Ich bin nicht da“ – gesprochen durch geschlossene Wohnungstüren. Zum Nachdenken hat mich einmal die Auskunft gebracht: „Ich bin evangelisch.“ Darauf ist mir nur eingefallen: „Macht nichts, ich auch.“ Ich glaube, dass der Wunsch, das Jahr mit einem Segen zu beginnen, keine Konfessionsgrenzen kennt. Im vorigen Jahr habe ich über vielen Haustüren gelesen: „20*C+M+B+21“. Dabei stehen die Zahlen für das Jahr, die Buchstaben für Caspar, Melchior und Balthasar – oder aber für „Christus mansionem benedicat“ – Christus segne dieses Haus. Deutlich wird jedenfalls der Wunsch, die Menschen, die zusammen in einem Haus leben oder dort zu Gast sind, unter Gottes guten Segen zu stellen. Morgen, am Dreikönigstag, am 6. Januar, ziehen wir zwar nicht von Tür zu Tür. Aber wir laden ein vor die Schilfdachkapelle. Um 16.30 Uhr gibt es Stockbrot über den Feuerkörben am Weihnachtsbaum. Dazu spielt Michael Hoeldke auf der Orgel. Und die Heiligen Drei Könige werden Kerzen, Segenssprüche und Haussegen verteilen.

Mo 3.1.22, 8:37: Also, so der ganz große Knaller war dieses Silvesterfest wieder nicht. Doch trotz Böllerverbot war die Schilfdachkapelle am Sonntag erfüllt vom Geruch nach Feuerwerkskörpern. Nach Wunderkerzen, um genau zu sein. Für den ersten Gottesdienst des neuen Jahres stand auf den Liederzetteln zwar nur ganz harmlos zwischen Vaterunser und Segen das Stichwort „Friedensgruß“. Doch dahinter verbarg sich, dass Alina Kühn und Leoni Rademacher zum Jahresauftakt mehrere XXL-Wunderkerzen im Altarraum entzündeten, um die funkelnde Flamme dann von Hand zu Hand durch die Reihen zu geben. Währenddessen war von allen Seiten der Wunsch zu hören: „Frohes neues Jahr!“ Und Christian Deichstetter spielte dazu: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“ Das war schön. Und das war ein stimmungsvoller Auftakt in das neue Gottesdienstjahr. Hinterher wollten mir die Worte von Rainer Maria Rilke gar nicht mehr aus dem Kopf gehen, die im Gottesdienst ebenfalls eine Rolle gespielt hatten. Zum Jahreswechsel 1907 hatte der Dichter an seine Frau Clara geschrieben: „Nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung.“ Das Jahr 2022 ist noch ganz neu. Und wie wollen wir es füllen?

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