Ev. Kirchengemeinde Am Groß-Glienicker See

Blog: Unterm Schilfdach

An dieser Stelle schreibt Pfr. Alexander Remler regelmäßig über das Gemeindeleben der Schilfdachkapelle. 

 

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Mo 25.10.21, 8:44: Erster Tag nach dem Urlaub. Gerade komme ich ins Büro und sehe den neuen „Südwind“ auf dem Schreibtisch liegen. Ach, klasse. Unser Gemeindemagazin ist inzwischen aus der Druckerei gekommen. Ich blättere durch die Seiten. Und ich erinnere mich an das Interview mit unseren beiden Bundesfreiwilligen Leoni Rademacher und Lennart Aurich. Daran, wie Lennart erzählt, dass er nun angefangen habe, auch vegetarisch zu leben. Aus ethisch-moralischen Gründen, wegen des Tierwohls und überhaupt. „Ganze Regenwälder werden abgeholzt, damit wir tierische Produkte konsumieren können“, erklärt er. Als Antwort deute ich mit dem ganzen Zynismus des Älteren auf seine Schuhe und frage: „Und aus welchem Material sind die?“ Natürlich in der Erwartung, dass sie aus Leder sind. Doch: Denkste! Einmal mehr unterschätze ich das Engagement jüngerer Menschen. Lennart und Leoni schauen sich an und zählen auf: Hosen, Socken, Rucksack, Trinkflasche, Essensbox, alles fair gehandelt, klimaneutral und vegan. Trotzdem sagen sie: „Man kann noch ganz viele Sachen ändern.“ Dieser Satz ist dann zur Überschrift für unseren Schwerpunkt über Klimagerechtigkeit und Kirche geworden. Das Interview mit den beiden lohnt sich, viele andere Themen auch. In den nächsten Tagen sollte der „Südwind“ in den Kladower Briefkästen ankommen. Auf unserer Internetseite gibt es das Magazin zum Download.

Mi 13.10.21, 8:42: Und schon ist die erste Konfirmandenfahrt nach Ausbruch der Pandemie auch wieder vorbei. Viele schöne Erlebnisse werden mich noch lange begleiten. Aber ein Satz geht mir gar nicht mehr aus dem Kopf. Am Samstagabend sitzen wir noch zusammen, im Kaminzimmer des Hauses der Kirche in Groß Poserin. Da sagt einer unserer Teamer, dass er sich plötzlich so unerwartet glücklich fühle. Kurze Stille. „Wieso das denn?“, frage ich ihn etwas belustigt. Und er antwortet ernst: „Weil das hier alles endlich wieder möglich ist, dieses Gemeinschaftserlebnis.“ Und ich verstehe, dass diese Fahrt anders ist: Sie ist schöner und anstrengender, irgendwie wichtiger und emotionaler, auch gereizter. Viele Jugendliche haben vieles nachzuholen oder neu einzuüben.  Ich auch. Freitag sind wir mit verschärften 3G-Regeln losgefahren, um dann etwas lockerer miteinander sein zu können. Thema der Fahrt: Kirchengeschichte. In Kleingruppen haben wir als Kreativarbeit ein „Holzbuch“ erstellt, morgens und abends Andachten gefeiert, eine Nachtwanderung unternommen, wir hatten Stockbrot am Lagerfeuer, Disco, Gruppenspiele und immer wieder viel Musik. Nur eins war schließlich wie immer: Übermüdet und erschöpft sind 35 Konfis, 11 Teamer und zwei Pfarrer gestern wieder in Kladow angekommen. Ich habe ab morgen Urlaub. Zeit zum Schlafen. Am 25. Oktober bin ich wieder im Dienst.

Fr 8.10.21, 8:34: Besonders viel Fantasie gehört nicht dazu, um die nächsten Tage vorherzusagen. Besser gesagt, die nächsten Abende. Und so wird es wohl auch diesmal wieder irgendwann ruhig werden. Wahrscheinlich so gegen 22 Uhr. Wenn es heißt: „Bettruhe.“ Dann werden sich die Türen zu den Mehrbettzimmern schließen. Und die Jugendlichen sollen schlafen. Aber: Werden sie auch schlafen? Natürlich werden der Kollege Nicolas Budde und ich auf die Ruhe achten. Und wissen, dass die Fahrt für viele unserer Konfis der Höhepunkt der Konfirmandenzeit ist. Deshalb ist es uns so schwer gefallen, im vorigen Jahr pandemiebedingt alles abzusagen. Und umso schöner ist es nun, in diesem Jahr wieder zu fahren. Heute geht es los. Mit dem Reisebus fahren wir zwei Stunden nach Norden bis zum Haus der Kirche in Groß Poserin. Das kennt keiner. Das macht aber nichts. Dort ist auch nichts. Nur weite Wälder, stille Seen – und wir. Übrigens, der Gottesdienst am Sonntag findet trotzdem statt. Katrin Buchholz, die eine Ausbildung absolviert hat, um Lektoren-Gottesdienste zu halten, freut sich schon. Alles ist vorbereitet. Der Ablauf steht. „Ein bisschen Sorge habe ich nur, ob ich den Segen hinbekomme“, sagt sie und lacht. Ich bin mir sicher: Es wird ein wunderschöner Gottesdienst. Herzliche Einladung!

Mo 4.10.21, 9:29: Das war ein Wochenende voller Dank. Ein fröhliches und buntes Erntedankfest mit vielen Veranstaltungen an der Schilfdachkapelle. Danke, Uwe Schröder, dass du mit deiner Spandauer Gruppe von Amnesty International das Benefizkonzert am Samstagabend organisiert hast. Das Andreas-Discher-Trio und Sängerin Josefin Karacan haben die rund 50 Besucher verzaubert. Wichtig auch der Info-Tisch unter dem Motto: „Der Einsatz für die Menschenrechte ist nicht umsonst.“ Rund 500 Euro an Spenden kamen für Amnesty zusammen. Sonntag dann der Erntedank-Gottesdienst vor der Schilfdachkapelle. Mehr als 100 Besucher waren dabei. Darunter Jean-Marie Ayikpe, der unser neues Gemeindeprojekt „Kinderhilfe Benoite“ zur  Förderung der Schulbildung von Waisenkindern in Benin vorgestellt hat. In der „Kirche im Wald“ war er auch. Aber den Kindern musste er nicht lange erzählen, wie wichtig Schule ist. Mit Lekanka Gaiser und Leoni Rademacher sind unsere Kinder gleich zur Tat geschritten, haben gebastelt und eine Selbstvorstellung erarbeitet. Sonntagnachmittag schließlich eine Premiere: Kinderkino vor der Schilfdachkapelle. Rund 30 Kinder waren mit ihren Familien gekommen. Allerdings lief noch nicht alles wie geplant: Die Popcornmaschine ist ausgefallen, die Leinwand umgekippt, der Laptop hatte zum Abspann keinen Strom mehr. Aber: Die Begeisterung der Kinder war ungebrochen. Das war schön zu sehen. Auch dafür: Danke!

Fr 1.10.21, 9:18: Ich lese schon lange keine „Bravo“ mehr. Was irgendwie schade ist, eigentlich. War doch der regelmäßige „Psycho-Test“ zu Schulzeiten immer ein großer Spaß für die kleine Pause. Und was habe ich dadurch nicht alles über mich erfahren. Ich wäre sonst wohl nie darauf gekommen, ein Mops mit Schleife zu sein („Welche Hunderasse bist du?“) oder eine Currywurst mit Darm („Welches Fast Food bist du bist?“). Nur an eine Frage denke ich ungerne zurück: „Welcher Flirt-Typ bist du?“ Ich wollte eine „Bagger-Rakete“ sein, aber es hat nur zum „Sprüche-Klopfer“ gereicht. Wahrscheinlich stehe ich deshalb bis heute „Persönlichkeitstests“ skeptisch gegenüber. Auch wenn sie inzwischen sogar in der Wirtschaft hoch im Kurs stehen. Und die Frage bleibt: „Wer bin ich?“ Schon Dietrich Bonhoeffer hat sie in einem Gedicht gestellt. Am Sonntag wird es im Gottesdienst eine Rolle spielen. Wir feiern ein Erntedankfest „vom Pflügen und vom Streuen, vom Wachsen und Gedeihen“. Seit langer Zeit auch wieder mit Abendmahl. Außerdem werden Jean-Marie Ayikpe und Ina Lödden mit dabei sein. Sie stellen die „Kinderhilfe Benoite“ vor, mit der die Schulbildung von Waisenkindern in Benin unterstützt wird. Ein wundervolles Projekt. Ich freue mich sehr, dass es unser neues Gemeindeprojekt werden soll.

Do 30.9.21, 8:33: Vor einigen Wochen saß ich an einem Sonntag Nachmittag im Garten von Miriam Klein. Der Filmproduzentin war es gelungen, die Kreuzberger Theatergruppe „Coq au Vin“ für ein Gastspiel in Kladow zu gewinnen. Ach, endlich wieder Kultur, dachte ich. Und das, obwohl es nur Kindertheater ist, war mein zweiter Gedanke. Aber, Moment, warum „nur“? Ich schaute mich um. Was gibt es Schöneres als vor Begeisterung leuchtende Kinderaugen? Das erzählte ich später Miriam Klein. Ihr Vorschlag daraufhin: „Dann lass uns doch regelmäßig Kinderkino veranstalten.“ Eine wundervolle Idee. Das fand auch der Förderverein unserer Gemeinde und gab das Geld für die Anschaffung eines Beamers. Und nun ist es soweit. Am kommenden Sonntag, 3. Oktober, findet um 16.30 Uhr das erste „Kinderkino“ statt. Und dann immer am ersten Sonntag im Monat – bei gutem Wetter draußen, sonst in der Schilfdachkapelle. Miriam Klein hat auf eine abwechslungsreiche, unterhaltsame und hochwertige Filmauswahl geachtet. Und so starten wir am Sonntag mit dem Pferde-Movie „Ostwind“ über die Magie des Reitens. Am 7. November steht der Berlinale-Beitrag „Mein Freund Knerten“ auf dem Programm, über den Miriam Klein sagt: „Mein absoluter Kinderlieblingsfilm der vergangenen Jahre.“ Und für den 5. Dezember ist „Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt“ geplant.

Di 28.9.21, 8:24: Amnesty International ist die weltweit größte Bewegung, die sich für Menschenrechte einsetzt. „Menschen sind nicht gleich, aber ihre Rechte sind es“, sagt Uwe Schröder, 64, Jurist und bis zu seinem Ruhestand in diesem Jahr im Bundesfinanzministerium tätig. Für Amnesty ist er weiterhin im Einsatz. Hier bei uns in der Gemeinde. Aber auch in der Spandauer Gruppe, die in diesem Herbst ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Auch aus diesem Anlass findet am kommenden Sonnabend, 2. Oktober, um 17 Uhr ein Benefizkonzert in der Schilfdachkapelle statt. Das Andreas- Discher-Trio nimmt die Besucher mit auf eine musikalische Reise durch Klassik, Swing und Evergreens. Der Eintritt ist frei. Die Spendenerlöse kommen Amnesty International zugute. In der Pause gibt es Sekt und Orangensaft, dazu informieren Uwe Schröder und weitere Aktive über ihre Menschenrechtsarbeit. „Der Kern unserer Arbeit besteht darin, Protestbriefe zu verfassen“, sagt er. Hilft das, wenn wieder irgendwo auf der Welt ein Mensch unrechtmäßig gefangen gehalten oder gefoltert wird? „Ja“, sagt Uwe Schröder nachdrücklich. „kaum etwas fürchten Täter so sehr wie das Licht der Öffentlichkeit.“ In rund 30 Prozent der Fälle könne zumindest eine Verbesserung der Situation erreicht werden. Mit Menschlichkeit für die Menschenrechte, ein wunderbarer Anlass für ein Benefizkonzert – ich freue mich!

Mo 27.9.21, 9:25: Das war gestern ein Sonntag mit viel Bewegung. Nein, nicht erst nach Schließung der Wahllokale. Schon vorher, am Vormittag, waren mehr als 100 Besucher in Bewegung gekommen, um bei spätsommerlichen Temperaturen am „Draußen-Gottesdienst“ vor der Schilfdachkapelle teilzunehmen. Und reichlich in Bewegung waren auch die 23 „Stadtradelnden“ unseres Teams „Unterm Schilfdach“. Gestern war Siegerehrung: Alle bekamen eine Urkunde, eine Medaille sowie ein „Schilfdach“-Marmeladenglas. Nach drei Wochen Stadtradeln lag übrigens Detlef Lange mit 649 Fahrradkilometern ganz vorne, dahinter Lekanka Gaiser (633 km), Katrin Buchholz (543 km) und Merle Remler (514 km). Nach dem Gottesdienst hatte Leoni Rademacher ein „Kontaktlos“-Treffen bei Kaffee und Kuchen organisiert. Das war das von Merle Remler ins Leben gerufene Projekt, das während des zweiten Lockdowns Brieffreundschaften von Menschen aus unserer Gemeinde mit Schülerinnen des Kant-Gymnasiums ermöglicht hatte. Gestern außerdem auf dem Gemeindegelände: Der Schenkflohmarkt von Tamara Stern, der wieder sehr gut besucht war! Für unsere Vorsitzende Inge Kronfeldt und mich ging der Sonntagnachmittag schließlich mit dem Einführungs-Gottesdienst des neuen Spandauer Superintendenten in St. Nikolai zu Ende. Florian Kunz sagte in seiner Predigt: „Die Zukunft der Kirche ist eine pilgernde Kirche.“ Eine Kirche, unterwegs mit leichtem Gepäck – und immer in Bewegung. Eine schöne Vision!

Fr 24.9.21, 8:30: Der Legende nach soll das Victory-Zeichen, die berühmte Geste der Sieger, aus England stammen. Erfunden von Winston Churchill höchstpersönlich, heißt es immer wieder. Aber wie das so ist mit Legenden. Manchmal stimmen sie, manchmal nicht, manchmal ein bisschen. Jedenfalls reicht der Ursprung des V-Zeichens weiter zurück. Oder wie sonst ist das mit dem „Salvator Mundi“ zu erklären, dem berühmten Gemälde von Leonardo da Vinci? Wer genau hinschaut, sieht dort Jesus, wie er Zeige- und Mittelfinger zum „V“ erhebt. Oder? Um Sieg und Niederlage geht es am Sonntag auch im Gottesdienst. Passend zum Wahlsonntag lautet der Wochenspruch aus dem Ersten Johannesbrief: „Unser Glaube ist der Sieg.“ Dabei stehen bei uns die Sieger schon vor Schließung der Wahllokale fest: Es sind die Teilnehmer des Teams „Unterm Schilfdach“, die drei Wochen lang beim „Stadtradeln“ dabei gewesen sind. Die Siegerehrung findet im Gottesdienst statt. Übrigens: Musikalische Gewinner sind hingegen alle Besucher: Denn zum ersten Mal seit langer Zeit begleitet unser Chor unter der Leitung von Marina Philippowa wieder den Gottesdienst. Als Beschenkte dürfen sich im Anschluss an den Gottesdienst ebenfalls alle fühlen. Bis 14 Uhr organisiert Tamara Stern mit ihrem Team den Schenkflohmarkt auf unserem Gemeindegelände. Herzliche Einladung zu einem abwechslungsreichen Sonntag!

Di 21.9.21, 8:24: Wahrscheinlich ist das nur allzu menschlich. Der Wunsch, am liebsten alles beim Alten zu belassen. Und gleichzeitig zu hoffen, dass sich die Dinge schon irgendwie von alleine zum Besseren wenden werden. Aber ist das als Antwort auf die Klimakrise genug? „Nein“, sagt Ingrid Kunkel nachdrücklich. Sie engagiert sich bei „Parents for Future“, lebt als Mutter von drei Kindern in Kladow. „Wenn mir vor einiger Zeit jemand gesagt hätte, dass ich mal helfen würde, Klimaschutz-Demonstrationen zu organisieren, hätte ich gesagt: ‚Du spinnst!‘“ Noch zur ersten Demo ist sie nur stellvertretend gegangen, weil ihre Tochter eigentlich hingehen wollte, aber dann nicht konnte. Doch seither ist sie mit voller Überzeugung dabei. „Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr“, sagt sie. „Doch weil wir den CO2-Anstieg selber verursacht haben, können wir ihn auch selber wieder stoppen.“ Ingrid Kunkel freut sich, dass nicht mehr nur Jugendliche auf die Straße gehen. Sogar die Kirchen sind inzwischen dabei. Heute Abend findet online das Klimagebet “Kirche für 1,5°” mit EKD-Präses Anna Heinrich und Luisa Neubauer statt (Infos: spiritandsoul.org). Am 24. September, kommt es zum „Globalen Klimastreik“, in Berlin ab 12 Uhr vor dem Bundestag. Ingrid Kunkel: „Ich hoffe, dass viele Menschen kommen.“ Wir auch.

Mo 20.9.21, 9:15: Im Gottesdienst gibt es immer wieder diesen einen Moment, der etwas ganz Besonderes für mich hat. Das war auch gestern so. Es war kurz vor dem Segen für Leoni Rademacher, die nun als Bundesfreiwillige für ein Jahr an der Schilfdachkapelle arbeiten wird. Gerade erst hatte ich Leoni gestern erneut vorgestellt. Und sie hatte erklärt, dass sie ihren Dienst gerne antreten wolle. Dann kam das, was auf gut Kirchendeutsch so schön trocken heißt: „Anrede an die Gemeinde“. Dafür habe ich mich an alle gewendet, die gestern zu diesem herbstlichen Draußen-Gottesdienst unter den Eichen gekommen waren. Ich habe alle Anwesenden stellvertretend gefragt, ob auch sie bereit sind, Leoni anzunehmen, sie auf ihrem Lebensweg die nächsten Monate zu begleiten, zu unterstützen und für sie zu beten. Und von den mehr als 90 Besuchern kam gemeinsam die Antwort: „Ja, mit Gottes Hilfe“. Das war schön. Das war kraftvoll. Das war Gänsehaut. Für mich. Aber nicht nur für mich. Hinterher kamen mehrere Besucher zu mir, darunter auch einer, der zum ersten Mal bei uns war. Er sagte: „Herzlichen Glückwunsch!“ Und als ich ihn etwas ratlos anschaute: „Mich hat das sehr berührt, wie diese Gemeinde aufeinander achtet und miteinander auf dem Weg ist.“ Gottes Segen, Leoni!

Fr 17.9.21, 8:43: Was wollte ich noch mal erzählen? Ach, stimmt, jetzt weiß ich es wieder. Also, neulich stand ich vor der Haustür. Sie fiel gerade ins Schloss, als ich dachte: Nein!!! Haaaalt!! Bitte! Klack. Zu spät. Tür war zu. Mistmistmistderschlüsselistnochdrinnen! So ein ***! Das war der Moment, als mir wieder einmal schmerzlich bewusst wurde: Ich bin ein Schussel. Mein Gehirn ist ein grobmaschiges Netz, in dem nur Informationen von der Größe eines Buckelwales hängen bleiben. Kleine Fische wie Schlüssel, Passwörter oder Pins flutschen hingegen einfach so durch. Wie bitte, soll ich mich halt besser erinnern? Vergiss es! – Der Gottesdienst am Sonntag ist deshalb mit der Überschrift versehen: „Wie war das?“ Es geht ums Vergessen und um einen Gott, der sagt: „Ich vergesse dich nicht.“ Die zeitliche Nähe zum Welt-Alzheimer-Tag ist bei diesem Thema durchaus kein Zufall. Auf keinen Fall vergessen werde ich, dass wir im Gottesdienst unserer Bundesfreiwilligen Leoni Rademacher einen Segen für ihren Dienst geben werden. Julia Grieb ist Lektorin. Alina Kühn hat Kirchdienst. Angelika Fiukowski baut einen Basteltisch am Wendekreis für die Kinder auf. Und eine Kindertaufe haben wir auch im Gottesdienst. Volles Programm also. Es geht um 11 Uhr los. Kurzum: Gottesdienst vor der Schilfdachkapelle – bitte nicht vergessen!

Mo 13.9.21, 9:15: Vorgestern, am Samstag, strahlt die Sonne vom Himmel – und alle um mich herum strahlen auch. Ich bin für den Traugottesdienst von Romina und Sven Walendy nach Bornstedt gekommen. Ein schöner Ort, finde ich. Langsam nehmen die Hochzeitsgäste in der Dorfkirche, gegenüber vom preußischen Krongut, Platz. „Wer hat die Ringe?“, frage ich, während wir nur noch auf die Braut warten. Der Bräutigam schaut den Trauzeugen an, der schaut einen Freund an, der schaut den Bräutigam an. Stille. Die Ringe sind zu Hause. Und nun? Sekunden später heult der Motor eines Sportwagens auf. Mit Gottvertrauen und unter Beachtung aller Verkehrsregeln (bestimmt!) werden die Ringe geholt –  und kommen noch pünktlich an. Die Trauung wird wunderschön. Aber das war der Schreckmoment eines Wochenendes mit vielen Höhepunkten. Am Freitagabend hat unser Förderverein in der Schilfdachkapelle getagt. Das Wahlergebnis: Der alte Vorstand ist auch der neue –  vielen Dank für alles Engagement! Samstagabend das großartige Gitarrenkonzert von Viktor Maximov. Viel Applaus von rund 40 begeisterten Zuschauern. Außerdem: Das „Spandauer Pilgerwochenende“ – und eine eindrucksvolle Leistung von Ruth Ebert aus unserer Gemeinde, die alle Spandauer Kirchen „abgepilgert“ hat. Schließlich: Sonntagvormittag der Draußen-Gottesdienst mit über 90 Besuchern und dem neuen „Tauffisch“ von Sophia Passek an unserer Taufwand. Tolles Wochenende!

Fr 10.9.21, 8:58: Eins steht fest: Wir machen uns viel zu viele Sorgen. Oder? Jedenfalls sorgen wir uns darum, was morgen sein wird. Wir grübeln, was als nächstes ansteht. Wir fragen uns, ob wir die richtigen Entscheidungen treffen – oder bald alles mögliche bereuen werden. Ach, wir stecken in der Krise. Jetzt mal so ganz allgemein gesprochen. In der Krise, die uns seit vorigem Jahr fest im Griff hat. Seit Corona. Oder doch schon seit der Klimakrise? Nicht einmal das steht fest. Dabei würde es uns bestimmt viel besser gehen, wenn wir einmal ganz tief durchatmen würden, gaaaaaanz tieeeeef. Und uns die Worte von Jesus aus der Bergpredigt in Erinnerung rufen: „Sorgt euch nicht.“ Oder ist das nur Ironie? „Kein Grund zur Panik! Ach, wirklich?“, ist der Gottesdienst in der Schilfdachkapelle am Sonntag überschrieben. Es soll um die Spannung von Gelassenheit und Sorge gehen. Musikalisch wird der Gottesdienst ein Highlight: Susanne Kabelitz und Gerhard Oesten begleiten uns mit Horn und Posaune. Die Orgel spielt Christian Deichstetter. Inge Kronfeldt ist Lektorin. Kirchdienst hat diesmal Reinhard Schütz. Manfred Gummi baut die Technik auf. Und Lekanka Gaiser freut sich in der „Kirche im Wald“ wieder auf viele Kinder. Um 11 geht es los, wie immer.

Mi 8.9.21, 10:50: Ein solches Wochenende hat es schon lange nicht mehr gegeben: Mit dem „Tag des offenen Denkmals“ und dem „Spandauer Pilgerwochende“ finden am 11. und 12. September zahlreiche Konzerte, Führungen und Gottesdienste in ganz Spandau statt. Und natürlich auch in der Schilfdachkapelle. Das Highlight bei uns ist das Konzert von Viktor Maximov, der mit seinem Programm „Zauberklang der Gitarre“ am 11. September um 17 Uhr in der Schilfdachkapelle auftritt. Der Gitarrenvirtuose spielt Johann Sebastian Bach sowie eigene Werke für bundlose und Konzertgitarre im Balkan-, Flamenco- und Orient-Style. Eine Anmeldung für das Konzert ist nicht nötig. Der Eintritt ist frei, für den Musiker stellen wir einen Spendenkorb auf. Schon vor dem Konzert lohnt es sich, auf dem „Spandauer Pilgerweg“ unterwegs zu sein. Eine geführte Wanderung mit Annette Radke geht am 11. September um 9 Uhr an der Gnadenkirche (Jaczostraße 52) los. Nach 16 Kilometern an der Havel entlang und an den Dorfkirchen in Gatow und Kladow vorbei, kommt die Pilgergruppe rechtzeitig zum Konzert um 17 Uhr an der Schilfdachkapelle an. Ich freue mich auf ein volles Wochenende – und über das Engagement vieler Ehrenamtlicher, die dafür sorgen, dass die Schilfdachkapelle am ganzen Wochenende für Besucher geöffnet ist (Sa 9-17, So 9-16 Uhr).

Di 7.9.21, 9:05: Irgendwie hätte ich mir schon vorher denken können, dass ich einen blöden Kommentar hören würde. Mindestens. Wie ich gestern so im Supermarkt stehe, im Einkaufswagen drei Flaschen Doppelkorn und eine Schokolade. „Reichhaltiges Abendessen, Herr Pfarrer“, sagt einer von der Seite zu mir. Ich lächle gequält, erkläre, dass wir Kräuterlikör ansetzen wollen, aber er hört schon nicht mehr zu. An der Kasse spielt sich gerade ein Alltagsdrama ab. Eine Frau versucht ihre Einkäufe zu bezahlen: Graubrot, Weinbrand, Katzenfutter. Zusammen elf Euro irgendwas. Sie kramt in ihrem Portemonnaie. Sie kratzt ihre letzten Cent zusammen. Sie sucht in den Hosentaschen. Nein, reicht nicht. „Haben Sie keine Karte?“, fragt die Verkäuferin. Die Frau schüttelt den Kopf. Dann gibt sie den Weinbrand zurück. Alle schauen zu. Ich auch. Unbehaglich. Auf der Straße hole ich sie endlich ein, einen 50-Euro-Schein in der Hand. „Bitte nehmen Sie das als Geschenk der Kirchengemeinde.“ Ist das richtig? Wir sammeln im Gottesdienst regelmäßig für unseren „Sozialdiakonischen Fonds“, mit dem wir Menschen in Not unterstützen wollen. Aber ist das so ein Fall? Ich bin unsicher. Die Frau nimmt das Geld. Mehr verschämt als dankbar. Ich drehe mich um. Den Korn und die Schokolade unter dem Arm. In seltsamer Stimmung.

Fr 3.9.21, 9:07: Ach, ist mir heute langweilig. Wie ich so am Schreibtisch sitze und aus dem Fenster schaue. Ich könnte natürlich arbeiten. Aber dann ist mir lieber langweilig. „R-E-M-L-E-R“, ich tippe meinen Nachnamen bei Google ein. Aus Langeweile. Als Toptreffer erscheint Emily Remler. Aha, nie gehört, amerikanische Jazzgitarristin, so so. Ich blättere und scrolle durch die Seiten. Nein, wie viele Remlers es doch gibt. Aber Moment, sind das nicht Clark Gable und Joan Crawford, das Hollywood-Traumpaar? Tatsache, und sie beugen sich über einen Remler. Über einen „Remler Model 26“, wie ich lese, einen Radioempfänger von 1933, erkennbar am „Scottie“ über dem Lautsprecher. Sage noch einer, das Internet mache dumm. Mein Blick schweift zum Bücherregal. In den biblischen Geschichten kommt keine Langeweile auf. Wobei, doch. Nur anders. Nicht als Fehlen einer Beschäftigung. Eher als Zeit für Gott, als Kunst der langen Weile. Mut zur Muße will die Bibel machen, als Sabbatruhe und überhaupt. So wie Martin Luther: „Man dient Gott durch Nichtstun, durch keine Sache mehr als durch Nichtstun.“ Schön ist das. Und ich habe am Wochenende dienstfrei, keinen Gottesdienst. Anderseits: Vor dem Nichtstun kommt das Tun. Heute ist erst Freitag. Seufzend mache ich mich an die Arbeit.

Mo 31.8.21, 9:59: „Mann, ich bin sauer!“ Das habe ich gestern gedacht, als ich morgens zur Schilfdachkapelle kam und wieder kaum zu übersehen war, wie die Wildschweine auf dem Gemeindegelände gewütet hatten. „Mann, ich bin sauer!“ Selten hat das Motto eines Gottesdienstes so gut zu meiner Stimmung gepasst, als es gar nicht mehr aufhören wollte zu regnen und wir alle „Draußen-Planung“ kurzfristig über den Haufen werfen mussten. Wut, Ärger und Zorn waren also durchaus mit dabei. Aber in der Predigt ging es dann eben auch um den Zusammenhang von Gottes Zorn und Gottes Liebe. Und schon bald habe ich gedacht: „Mann, ist das schön!“ Trotz des Regens waren wieder mehr als 60 Besucher zur Schilfdachkapelle gekommen, darunter auch viele Kinder. Und wie schön waren viele der bunten „Tauffische“, die von den Täuflingen mit Lekanka Gaiser an unsere Taufwand angebracht wurden. Und wie schön war es, als Maike und Mathias Kadel nach „25 Jahren Ehe“ erneut „Ja“ zueinander gesagt haben und wir dabei sein durften. „Heute war alles drin“, hat hinterher einer gesagt. Und das stimmte. Zumal im Anschluss zum ersten Mal in diesem Jahr wieder der von Tamara Stern organisierte Schenkflohmarkt stattfinden konnte. Der Regen hatte da schon längst wieder aufgehört.

Fr 27.8.21, 9:04: Es gibt so viele Gefühle, zu denen wir Menschen in der Lage sind. Und ich denke an Freude und Liebe, an Sorge und Angst, bis hin zur Traurigkeit. Aber kein Gefühl hat ein so schlechtes Image wie die Wut. Was auch verständlich ist. Denn wer ist schon stolz darauf, einen Gesprächspartner mit wutverzerrtem Gesicht anzubrüllen? Wobei ich mich frage: Wie hat Jesus eigentlich ausgesehen, als er die Schriftgelehrten im Matthäusevangelium mit den Worten beschimpft hat: „Weh euch, ihr Heuchler! Ihr Narren und Blinden! Ihr Schlangen, ihr Otterngezücht!“ Oder anders gefragt: Wie ist das mit dem wütenden Jesus? Darum geht es am Sonntag im Gottesdienst. „Mann, ich bin sauer!“, lautet die Überschrift. Ich bin jedenfalls gespannt. Musikalisch, so viel steht fest, wird der Gottesdienst ein richtiges Highlight werden: Der virtuose Gitarrist Viktor Maximov ist bei uns zu Gast und wird unter anderem Johann Sebastian Bach auf der Gitarre spielen. Michael Hoeldke begleitet den Gottesdienst auf dem Klavier. Anja Helm ist Lektorin. Angelika Fiukowski hat Kirchdienst. Manfred Gummi baut die Lautsprecheranlage auf. Lekanka Gaiser wird mit den Kindern bunt gestaltete Tauffische an unserer Taufwand anbringen. Und im Anschluss an den Gottesdienst findet zum ersten Mal wieder der Schenkflohmarkt statt. Herzliche Einladung!

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Mi 25.8.21, 8:54: Traurig zu sein ist schwer. Und Trauer tut weh. Wer erleben musste, dass ein geliebter Angehöriger stirbt, fühlt sich mitunter wie vom Leben abgeschnitten. „Ich will nur noch verschwinden“, ist ein Wunsch, den ich so oder ähnlich in Trauergesprächen höre. Zudem ist Traurigsein offenbar ein Zustand, den Freunde und Familien nur schwer aushalten können. Viele fürchten, dass sich Trauer immer weiter ausdehnt, wenn man ihr Raum gibt, bis sie womöglich das ganze Leben ergreift. Dabei ist das Gegenteil meist der Fall. Und in der Trauerphase liegt auch eine Chance, dem Leben eine andere Richtung zu geben. Es gibt also einiges zu bereden. Und so freue ich mich sehr, dass wir in unseren beiden Kladower Gemeinden nun ein Trauercafé anbieten können. Mit Ute Brutzer, Angelika Fiukowski, Anja Helm und Inge Kronfeldt haben wir ein engagiertes Team. Bei Kaffee und Kuchen wollen wir ins Gespräch kommen. Nicolas Budde und ich sind auch dabei. Seelsorgerin Frauke Neupert-Schuhmacher unterstützt uns ebenfalls. Dass Trauer schwer ist, können wir nicht ändern. Aber schon das Sprichwort weiß: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Das Trauercafé findet jeweils am vierten Freitag im Monat um 16 Uhr im Gemeindehaus an der Schilfdachkapelle statt. Das erste Mal am 27. August.

Mo 23.8.21, 9:30: Ich habe Jennifer und Christian Jahn im vorigen Herbst kennen gelernt. Die Pandemie war gerade wieder dabei, Fahrt aufzunehmen. Der zweite Lockdown stand kurz bevor. Was sonst noch alles kommen würde? Keiner wusste es. So saßen die beiden in der Schilfdachkapelle vor mir. Jenny war hochschwanger, Chris war an ihrer Seite – und Penny, die ältere Tochter, die bald große Schwester werden würde, war auch mit dabei. Wir haben viel über die Sorgen und Ängste von Eltern gesprochen. Und darüber, dass das neu geborene Kind möglichst bald nach der Geburt getauft werden sollte. Aber mitten im Lockdown? „Eine Taufe ohne Feier kann ich mir vorstellen“, meinte Jenny nachdenklich, „aber ein Kind ohne Gottessegen nicht.“ Wir haben dann hin und her überlegt. Und schließlich entschieden, die kleine Emily zunächst zu segnen. Nur die Familie und ich. Als privates Ritual. An einem Wochentag. Das war im November. „Und die Taufe feiern wir so richtig, sobald es geht“, haben wir uns versprochen. Gestern war es soweit. Im Gottesdienst vor der Schilfdachkapelle haben wir zwei muntere Mädchen getauft. Emily war eine der beiden. Mehr als 100 Besucher waren im Gottesdienst dabei. Fröhlich, festlich und vielseitig war es. Herzlichen Dank an so viele, die beteiligt waren!

Fr 20.8.21, 10:22: In dieser Woche war Sabrina Fabian in Kladow. Schön war es, sie wieder zu sehen. Sie kam unten am Imchen mit der Fähre an. Wie schon so oft. Als ich 2017 Pfarrer an der Schilfdachkapelle wurde, war Sabrina in der Leitung unserer regionalen Konfi-Arbeit als Theologie-Studierende mit dabei. Und voriges Jahr, während des ersten Lockdowns, als sogar Gottesdienste untersagt waren, haben wir während ihres „Gemeindepraktikums“ gemeinsam um Antworten auf die Frage gerungen: „Was geht, wenn nichts geht?“ Nun wird Sabrina Fabian bald selber Pfarrerin. Zurzeit steckt sie mitten im Examen. Die Examenspredigt ist schon abgegeben. Und sie sagt: „Beim Schreiben habe ich immer die Gemeinde an der Schilfdachkapelle im Blick gehabt.“ Umso schöner, dass sie am Sonntag im Gottesdienst mit dabei ist. Ich werde den gottesdienstlichen Rahmen mit zwei Kindertaufen gestalten. Sabrina Fabian wird ihre Examenspredigt halten. Ich will nicht zu viel verraten, aber es geht um das Thema: „Umzug.“ Susanne Kabelitz (Horn) und Michael Hoeldke (Klavier) haben drei Sätze von Gustav Gunsenheimer vorbereitet. Alina Kühn ist Lektorin. Inge Kronfeldt hat Kirchdienst. Manfred Gummi baut die Technik auf. Und Lekanka Gaiser wird mit den Kindern weiter an der „Kirche im Wald“ bauen. Herzliche Einladung

Mi 18.8.21, 9:55: Es ist Montagabend, kurz vor sechs. Am Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg verabschiede ich mich von meiner Frau. „Wir sehen uns zu Hause.“ Sie steigt aufs Fahrrad. Ich steige ins Auto. So ist das bei uns. An der ersten roten Ampel überlege ich, was ich gleich zum Abendessen machen werde. Aber eine halbe Stunde später stehe ich auf der Heerstraße im Stau, als mich eine Radfahrerin überholt. Fröhlich klingelnd fährt sie an mir vorbei. Moment, das ist doch…? Genau. Merle, meine Frau. „Hm“, denke ich, „hätte ich eigentlich auch das Rad nehmen können.“ Aber wem sage ich das? Merle bestimmt nicht. Sie fährt fast nur Fahrrad. Nun hat sie uns als Kirchengemeinde beim „Stadtradeln“ angemeldet. Das ist ein Wettbewerb, bei dem für drei Wochen möglichst viele Alltagswege mit dem Rad gefahren werden sollen. Jeder kann mitmachen. Je mehr, desto besser. „Jeder Kilometer zählt.“ Am 2. September geht es los. Keine Gnade für die Wade – ich bin dabei. Wer noch? Einfach die App „Stadtradeln“ herunterladen und nach der Anmeldung die Gruppe „Unterm Schilfdach“ suchen. „Ob Orgelklang, ob Velofahrt – gesegnet sei die Gegenwart“, sagt meine Frau heute Morgen mit Kurt Marti. Sie schwingt sich aufs Rad und startet winkend in den Tag.

Mo 16.8.21, 9:25: Ich muss schon zugeben, dass ich mir die „Andacht unter den Sternen“ etwas anders vorgestellt hatte. Die Wolken am Nachthimmel waren so nicht vorgesehen. Und auch auf den leichten Nieselregen zu Beginn hätte ich gut verzichten können. Aber danach wurde es doch ein besonders schönes Erlebnis. Gemeinsam im Dunkeln zu sitzen, auf Picknickdecken, Korb- und Liegestühlen, mit rund 100 anderen Besuchern, die allenfalls schemenhaft zu erahnen waren, auf die Musik zu lauschen, zusammen das Vaterunser zu sprechen – so viele Stimmen aus der Finsternis! Das war stimmungsvoll. Das hatte Power. Stimmungsvoll, aber ungleich farbenfroher, war auch der frühe Freitagabend: Mehr als 20 Einschulungskinder haben ihren Segen für die Schulzeit erhalten. Mit ihren Familien und den Eltern unserer Kita waren zum Schulanfangsgottesdienst ebenfalls 100 Besucher gekommen. Ein großer Spaß! Feierlich war der Gottesdienst am Sonntag mit der Erwachsenentaufe von Cornelia Becker. Ihr Taufspruch: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ Abgerundet wurde der Sonntagnachmittag mit dem Kindertheater „Coq au Vin“ auf einem Nachbargelände der Kapelle. Was haben Künstler und Kinder durch Corona lange auf so etwas warten müssen! Hoffentlich ist diese Zwangspause nun vorbei. Wir werden versuchen, Theater und Kinderkino vor der Schilfdachkapelle zu veranstalten.

Fr 13.8.21, 10:52: So unterschiedlich die Anlässe, so unterschiedlich sind die Gottesdienste, die am Wochenende stattfinden. Es geht heute Abend um 18 Uhr vor der Schilfdachkapelle los – mit ganz vielen aufgeregten Erstklässlern und einem Gottesdienst zum Schulanfang. Das wird bunt und wuselig. Direkt im Anschluss laden die Mitarbeiterinnen unserer Kita sowie die Eltern der Kita-Kinder zu einem kleinen Empfang auf dem Vorplatz ein. Es gibt Brezeln und Kaltgetränke. Deutlich ruhiger wird es am späteren Abend. Hier kommt es zu einer Premiere: Um 21.30 Uhr findet die erste „Andacht unter den Sternen“ statt. Das Motto heißt: Sternsehen statt Fernsehen. Am Sonntag geht es im Gemeindegottesdienst um 11 Uhr um die Frage nach der Schönheit. Natürlich, mit den Antworten auf diese Frage aller Fragen sind schon ganze Bücher und Bibliotheken voll geschrieben worden. Und vielleicht haben die tückischen Hexen aus Shakespeares Macbeth auch schon alles zum Thema gesagt: „Schön ist hässlich,/hässlich schön.“ Dennoch nehmen wir am Sonntag einen weiteren Anlauf mit der Fragestellung: „Bin ich schön?“ Der Apostel Paulus war es wohl eher nicht, wie das Porträt des Malers Lovis Corinth zeigt, das vorne auf den Liederzetteln zu sehen ist. Herzliche Einladung – alle Gottesdienste des Wochenendes finden draußen vor der Schilfdachkapelle statt.

Mi 11.8.21, 8:36: Am Freitagabend gehen an der Schilfdachkapelle die Lichter aus. Und das ist unbedingt und ganz ausschließlich wörtlich zu verstehen. Denn wir sagen: „Es werde Nacht.“ Um 21.30 Uhr feiern wir eine „Andacht unter den Sternen“. Draußen, am Holzkreuz, auf dem Vorplatz, zwischen den Eichen und der Kapelle. „Kuschelt, lacht und lauscht, graut euch, grübelt, staunt – und vor allem: träumt süß!“ Stimmungsvoll soll es werden. Sternsehen statt Fernsehen. Vielleicht eine Sternstunde? Michael Hoeldke und Merle Remler spielen am Klavier und mit der Gitarre „Dream a Little Dream“, „Fly me To the Moon“ oder „Tin Angels“. Gedichte und Gebete von Rainer Maria Rilke bis Erich Kästner setzen den Rahmen. Ich habe eine solche Sternenandacht noch nicht gefeiert – und ich freue mich darauf! Wer kommen möchte: Bitte gerne Kissen, Decken oder Liegestühle mitbringen. Es soll gemeinsam ganz gemütlich werden. Vom Schulanfangsgottesdienst, der früher am Abend stattfinden wird, lassen wir aber auch einige Stühle stehen. Jeder wird einen Platz finden. „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ Auch dieses himmlische Schlummerlied werden wir hören. Den Kinderklassiker, der uns immer wieder daran erinnern möchte, dass es Fragen gibt, die keiner beantworten kann. Keiner, außer einer allein. Und der wird unter all den Sternen ebenfalls mit dabei sein.

Fr 6.8.21, 9:21: Gerade ist es mir wieder im Urlaub passiert. Ich stehe in einem Geschäft für Strandmode oder wie das heißt. Jedenfalls mit dem Rücken zum Verkäufer. „Kann ich dir helfen?“, ruft er von hinten. Bin ich gemeint? Ich drehe mich um. „Oh“, sagt er erschrocken, „kann ich Ihnen behilflich sein?“ Danke, das hat gesiezt. Und mir fällt dazu nur noch ein Spruch aus Großmutters Zeiten ein: Hinten Lyzeum, vorne Museum. Soweit ist es schon. Dabei leben wir doch in einer Welt, in der so viel geduzt wird wie nie. Das Duzen ist immerhin ein Thema, bei dem wir als Kirche schon immer vorne mit dabei waren. Oder wer hat schon einmal gehört: „Der Herr segne Sie“? Sogar Gott reden wir ganz kumpelhaft keck mit Du an. „Wie Siezen mit Duzen aus?“, steht am Sonntag also als Frage über dem Gottesdienst. Ein besonderer Sonntag im Kirchenjahr ist das, der so genannte „Israelsonntag“. In der Predigt wird es viel um Nähe und Distanz gehen, um Verwandtschaftsverhältnisse und Höflichkeit. Alina Kühn ist Lektorin. Catherine Fechner hat Kirchdienst. Manfred Gummi überträgt nach draußen. Und zum ersten Mal nach der Sommerpause freut sich Lekanka Gaiser wieder auf die Kinder in der „Kirche im Wald“. Herzliche Einladung.

Do 5.8.21, 9:14: „Ich stehe immer auf der Seite der Kinder.“ Das ist so ein Satz von Astrid Lindgren. Er ist anspruchsvoll, wenn man darüber nachdenkt. Ein Satz, den Eltern so oder so ähnlich in der Pandemie häufig gehört haben. Und doch müssen wir inzwischen eine Bildungs- und Sozialkrise von Millionen Kindern und Jugendlichen feststellen. Ich finde es erstaunlich, dass die Jungen und Jüngsten im Bundestagswahlkampf keine größere Rolle spielen. Oder habe ich den Vorschlag überhört, etwa ein Kinder- und Jugendministerium mit Vetorecht einzurichten? Oder, nachdem alle Erwachsenen ein „Impfangebot“ erhalten haben, sämtliche Luftfilter aus Parlamenten und Unternehmen auszubauen und in die Schulen zu bringen, wo sie bald dringend gebraucht werden dürften? Auch in Berlin beginnt am Montag wieder die Schule. Doch ich erlebe ausschließlich Eltern, die sich fragen, ob sie ihren Kindern bald wieder zu Hause das Schreiben und Rechnen beibringen müssen, am Wechselmodell verzweifeln werden oder die Entschuldigung hören, dass an Schulschließungen kein Weg vorbei führt. Auch Jesus hat übrigens in einer Welt gelebt, in der Kinder allenfalls am Rande geduldet wurden. Doch er hat sie in den Mittelpunkt gerückt. „Lasst die Kinder zu mir kommen“, war seine Botschaft. Man könnte auch sagen: Jesus steht auf der Seite der Kinder. Immer.

Di 3.8.21, 10:04: Das Leben ist eine Baustelle. Das ist nicht nur ein Kinofilm aus den späten Neunzigern. Nein, das ist auch eine Lebenserfahrung. Die Erfahrung nämlich, dass wir zwar Tag für Tag an unserem Leben herumwerkeln können, aber doch nie so ganz fertig werden mit allen Baustellen. Umso schöner, wenn wenigstens ein Bauprojekt in der Gemeinde abgeschlossen werden kann. Deshalb: Danke, lieber Christian Wanning! Du hast den Auftrag bekommen, dich um unsere Küsterei zu kümmern. Ein neuer Laminatboden sollte es sein. Und du so: „Kein Problem.“ Du hast dich gleich an die Arbeit gemacht. Zuerst den zerschlissenen Altteppich herausgerissen. Aber nanu? Darunter kam ein noch älterer Teppich zum Vorschein. Du meintest: „Oh.“ Es  war der Originalteppich von 1970, dem Eröffnungsjahr des Gemeindehauses. Ein Seufzer, dann auf die Baumaske – und weiter ging es. Das war eine ganz schöne Drecksarbeit! Dann noch weg mit den angegilbten Siebziger-Jahre-Büromöbeln. Und rein mit dem neuen Boden. Gestern hast du gut gelaunt vermeldet: „Fertig!“ Noch muss die Farbe etwas trocknen und alles wieder eingeräumt werden, aber dann freuen wir uns auf alle, die uns in unserer neuen Küsterei besuchen. Hier heißt es dann: „Freude dem, der kommt. Friede dem, der verweilt. Segen dem, der weiter zieht.“

Fr 30.7.21, 10:29: Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich gerade erst aus dem Urlaub zurück bin. Aber mir geht einfach nicht aus dem Kopf, was angeblich „Modetrend des Sommers“ sein soll:  Die „Short Shorts“, meine ich, die „richtig kurze Hose“. Zurzeit allerorten zu sehen, an der Adria wie an der Côte d’Azur, in den Pinten von Palma wie in den Kafenia von Kreta. Und ich rede hier von Männermode, damit keine Missverständnisse aufkommen. Der „Thigh Summer“ ist der „Sommer des entblößten Männerschenkels“. Und damit sind wir schon beim Gottesdienst am Sonntag. „Wie viel Bein darf’s sein?“, steht als Frage über der Predigt. Und ich suche noch nach einer Antwort in der Bibel, wo die Hose als solche höchstens eine Nebenrolle spielt. Natürlich gibt es das bunte Kleid von Josef und den Mantel aus Kamelhaaren von Johannes, aber Hosen? Nur eins weiß ich schon jetzt: Sommerlich leicht soll der Gottesdienst werden. Das beginnt schon bei der Eingangsmusik, die von einem gewissen „Girl from Ipanema“ erzählt. Und den Klassiker von der Badehose, die eingepackt werden soll, wird Michael Hoeldke ebenfalls spielen. Lektorin ist Angelika Fiukowski. Katrin Buchholz baut unter den Eichen die Lautsprecheranlage auf. Los geht es „drinnen & draußen“ um 11 Uhr. Sommerlich herzliche Einladung!

Di 27.7.21, 8:34: Eigentlich ist nach meinem Urlaub alles wie vorher. Nur ganz anders. Gestern, am ersten Arbeitstag, bleibe ich nicht lange im Büro. Ich laufe mit einer Adressliste durch unsere Gemeinde und klingle an fremden Haustüren. Einmal öffnet ein freundlicher Familienvater. Er sagt: „In der Kirche zu sein war für mich irgendwann nur noch wie das Abo einer Zeitung zu haben, die ich schon lange nicht mehr lese.“ Deshalb die Entscheidung: Kirchenaustritt. Das tut weh. Jeder Austritt tut weh. Bei rund 1.800 Mitgliedern, die wir zurzeit haben. Eigentlich zu wenig. Die allermeisten Menschen, die austreten, kenne ich nicht. Deshalb war ich gestern unterwegs und habe mir „Austrittsgeschichten“ angehört. Gleich nach dem Urlaub, bevor der Alltag keine Zeit mehr lässt. Gehört habe ich, dass es selten einzelne Anlässe sind, die zum Austritt führen, sondern eher  schleichende Prozesse der Entfremdung sind. Ich bedaure das sehr, erlebe ich doch immer wieder, nicht nur bei Trauungen, Trauerfeiern oder Taufen, auch im Gemeindealltag, wie wichtig wir als Kirche für viele Menschen sein können. Für mich heißt das, weiter Neues auszuprobieren. Und mir fällt ein Spruch aus dem Urlaub ein: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Schön ist es, wieder da zu sein.

Fr 25.6.21, 9:30: Heute Morgen, kurz nach sechs. Ich stehe in der Küche und frage mich: Bin ich wirklich schon wach? Meine Kaffeemaschine spricht nämlich mit mir. Mit ihrer Espressostimme sagt sie auf Kaffeemaschinisch: „Rööh bssbss röööööööööh.“ Wie bitte? Ich verstehe erst nicht so recht. Bis mir brühend heißer Kaffee über die Hand läuft. Da weiß ich, sie wollte sagen: „Wie wär’s mal, eine Tasse hinzustellen?“ Ach, Mist. Ich wische den Kaffeesee auf der Küchenzeile weg und denke: Ich bin wirklich urlaubsreif. Für einen Moment fühle ich mich so, wie ich mir die Freunde von Jesus im Markusevangelium vorstelle. Sie haben viel gearbeitet. Manchmal so viel, dass sie „nicht Zeit genug zum Essen“ hatten. Und Jesus sieht sie an und sagt ihnen milde: „Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig.“ Oder anders: Jetzt ist gut, macht mal Urlaub. Für mich beginnt nun auch eine dienstfreie Zeit. Und ich versuche diesen biblischen Gedanken mitzunehmen. Und die Aufforderung von Peter Lustig, dem Fernsehmoderator von „Löwenzahn“. Wie er am Ende seiner Sendungen seine Zuschauer immer verabschiedet hat: „Und jetzt: Abschalten, bitte!“ Das wünsche ich uns allen: Abschalten, Auftanken – und dann sehen wir uns wieder. Bis dahin schöne Ferien und Gottes reichen Segen.

Mo 21.6.21, 10:02: Hallo Sommer, so lautete gestern das Motto am Groß Glienicker See. An den Badestellen sowieso. Aber auch im Bootshaus Kladow. Hier waren mehr als 250 Besucher zum Seegottesdienst gekommen. Und das bei Temperaturen von über 30 Grad. Nein, das war nicht einfach nur „warm“, das war ein regelrechter „Tsuwarmi“. Und doch: So viel gute Laune überall. Das war eindrucksvoll. Sonne, Strand und Seetaufen – mit diesem Dreiklang haben wir die dunklen Monate hinter uns gelassen. Und den Blick nach vorne gerichtet. Auf das Dolcefarniente und das süße Nichtstun in den Sommerferien – hoffentlich können das viele Familien so erleben! „Dein Wort ist süßer als Honig“, steht in der Bibel. Dazu haben wir die Geschichte von Johannes dem Täufer erzählt, der gerne wilden Honig gegessen hat. Und so waren auch die Kinder gestern fleißig wie Bienen, haben Bienenkarten mit Fingerabdrücken gestaltet und Kerzen aus Bienenwachs hergestellt. Schließlich haben sie am See gestanden und Seifenblasen für die sieben Täuflinge in die Luft steigen lassen. Wunderschön. Gestern waren so viele Menschen am Gottesdienst beteiligt, dass ich gar nicht erst anfange, alle aufzuzählen. Doch hier wenigstens: Vielen Dank für alle Vorbereitung und diese kreative Gestaltung! Es hat sich gelohnt, finde ich. Es war einfach nur… Sommer.

Sa 18.6.21, 10:14: Alle Jahre wieder, kurz vor den Sommerferien, ziehe ich für einen ganz besonderen Gottesdienst die Flip-Flops an. Die schwarzen Lederschuhe dürfen dann ausnahmsweise zu Hause bleiben. Dafür reicht eine Badehose unter dem Talar vollkommen aus. Ich gebe zu, so richtig pfarrermäßig sieht das alles nicht aus. Aber ich gehe in diesem Aufzug auch nicht in die Kirche, sondern an den Strand. Zum Bootshaus Kladow, um genau zu sein. Denn dort feiern wir einen regionalen Familiengottesdienst mit Seetaufen im Groß Glienicker See. Für mich ist der Gottesdienst rund um den Gedenktag von Johannes den Täufer ein Highlight des Kirchenjahres. Am kommenden Sonntag, am 20. Juni, ist es um 10.30 Uhr wieder soweit. Flip-Flops und Badehose liegen bereit. Der Posaunenchor ist nach langer Zeit wieder mit dabei. Michael Hoeldke und Sarah Dallimore begleiten den Gottesdienst ebenfalls musikalisch. Merle Remler und Lekanka Gaiser haben wundervolle Johannes-Aktionen für die Kinder vorbereitet. Und der Kollege Nicolas Budde und ich gehen mit Talar und Beffchen für sieben Kindertaufen ins Wasser. Das wird ein Spaß – bunt und fröhlich. Und genau so wollen wir vor der Sommerpause die dunklen Monate verabschieden, die hinter uns liegen. Der Wetterbericht sagt 35 Grad und Sonne voraus. Herzliche Einladung!

Do 17.6.21, 10:00: „Tische und Stühle raus, wir müssen reden.“ Das war in den vergangenen Jahren stets das Motto vom „Tag der offenen Gesellschaft“, den wir auch an der Schilfdachkapelle immer kurz vor den Sommerferien gefeiert haben. „Fröhlich für eine offene Gesellschaft zu demonstrieren, das hat mich von Anfang an begeistert“, sagt Anja Helm, die sich bei uns mit Reinhard Schütz für den „TdOG“ engagiert. Und ich freue mich, dass wir auch diesmal diesen Feiertag für Vielfalt, Zusammenhalt und Demokratie veranstalten können. Ein Planungsteam mit unseren Nachbargemeinden aus den Dorfkirchen Kladow und Groß Glienicke hat schon vor Wochen eine wundervolle Idee ausgearbeitet. Und die geht so: Am Samstag, 19. Juni 2021, sind alle Interessierten zwischen 13 und 16 Uhr zu einem Spaziergang zum Mauerdenkmal am Nordufer des Groß Glienicker Sees eingeladen (Gutsstraße/Am Park 14B). Benötigt werden Stift, Papier und ein wacher Blick. Ja, und dann? „Dann lassen Sie sich berühren von dem, was Ihnen auf dem Weg begegnet“, erklärt Anja Helm, „und das Eindrücklichste halten Sie fest, indem Sie es abpausen.“ Am Mauerdenkmal entsteht aus allen Bildern schließlich eine Collage für Vielfalt und Verbundenheit. So einfach und so wunderbar – toll! Das können und wollen wir als Kirchengemeinde aus ganzem Herzen unterstützen.

Mi 16.6.21, 10:28: Alle drei Monate fährt der Paketbote bei uns am Gemeindehaus mit Schlecht-Wetter-Laune vor. Er hat dann schon morgens die neue Ausgabe unseres Gemeindemagazins in sein gelbes Postauto laden müssen. Und das heißt: 3.500 Exemplare, 450 Kilogramm, 26 schwere Kartons. Gestern Vormittag war es wieder soweit. Unser Kirchwart Valerij Janke stand mit der Sackkarre bereit, um wenigstens beim Ausladen zu helfen. Und auch Manfred Gummi und Reinhard Schütz waren gekommen, um die Tüten für die Austragenden vorzubereiten. In unserem druckfrischen Südwind lautet die Überschrift für den Schwerpunkt über Natur und Umwelt: „Alle nach draußen!“ Heike Luther erzählt, warum sie seit 40 Jahren morgens um sieben im Groß Glienicker See schwimmen geht. Hermann Brämer berichtet von russischen Soldaten bei Pilzexkursionen in die Döberitzer Heide. Tabea Kunkel ruft zum Schutz unseres Planeten auf. Und Renate und Knut Wenzel, von Emily Roux für den Titel fotografiert, erzählen von Brücken, Bahnhöfen und 200 Metern Schienen in ihrem „Eisenbahn-Garten“. Auf den Gemeindeseiten stellen sich unsere Freiwilligen Leoni Rademacher und Lennart Aurich vor. Und auch sonst gibt es viel zu berichten. In den nächsten Tagen wird der Südwind in die Briefkästen verteilt. Auf unserer Internetseite  steht er jetzt zum Download bereit. Viel Spaß beim Lesen!

Mo 14.6.21, 8:47: Zwei Samstage, drei Openair-Gottesdienste – und insgesamt 49 konfirmierte Jugendliche. Das waren die Konfirmationen in diesem Jahr. Und einige Erinnerungen werden mich noch lange begleiten: an Sonne und Regen, an glückliche Gesichter und schöne Momente, aber auch an die Störversuche versprengter „Querdenker“. Vorgestern im Gemeindegarten an der Dorfkirche waren wir gerade dabei, Leonard Cohens „Hallelujah“ zu singen. Die Textzeile: „But you dont really care for music, do you?“ Plötzlich waren von der Straße laute Rufe und Störmusik zu hören. „Was soll denn das?“, haben sich viele gefragt. Ich mich auch. Die Auflösung: Kladower Wutbürger wollten mit ihrem „Schildbürgerstreich“ die Konfirmationen stören. Nicht im Ernst, habe ich erst gedacht. Und denke es immer noch. Peinlich und ärgerlich finde ich diesen Versuch, ein unbeschwertes und wichtiges Familienfest zu stören. Immerhin konnte uns anschließend nichts mehr aus der Ruhe bringen. Auch nicht der Platzregen, den wir im Gottesdienst vor der Schilfdachkapelle hatten. Kurz nach dem Taufevangelium wurden die Regenschirme aufgespannt. Aber wir haben, etwas improvisiert, einfach weiter gemacht. Manche Frisur hat gelitten, manches Sommerkleid wurde nass. „Aber Glaube muss sich eben auch bei Wind und Wetter bewähren“, meinte hinterher ein Vater lachend. Recht hat er – und unvergesslich wird diese Regen-Konfirmation auch bleiben.

Fr 11.6.21, 10:01: Eine Sache war für mich bisher immer sonnenklar: Sommer ist, wenn ich die Adiletten aus dem Schrank hole und mit einem Badetuch zum Groß Glienicker See schlendere. Aber gestern fängt mich meine Tochter schon am Gartenzaun ab: „Woran erkennst du, dass der Sommer begonnen hat?“ Ich schaue zu meinen Füßen. Sie stecken in Lederschuhen. Das kann sie nicht meinen. Jetzt müsste irgendwas Elternmäßiges kommen, denke ich. Aber sie ist schneller: „Wenn der Holunder blüht.“ Ich schaue mich um. Wie sieht Holunder noch mal aus? Gleich neben uns steht ein Strauch voller Kelchblüten. Er riecht entfernt nach Limonade, nach Holunder-Limonade. Moment, das muss Holunder sein! Ganz begeistert von meiner logischen Deduktion hätte ich beinahe gesagt: „Und wusstest du, dass die Krippe des Jesuskindes aus Holunder gefertigt worden sein soll?“ Denn Sommer ist auch, wenn ich alles mögliche aufzublasen beginne: Planschbecken, Luftmatratzen – und mich selbst. Aber ich schlucke die Bemerkung hinunter. Und freue mich über den Sommer. Apropos, Samstag feiern wir die Konfirmation von 34 weiteren Jugendlichen. Sonntag aber findet nur in Kladow ein regionaler Gottesdienst statt – um 10 Uhr mit Pfr. Nicolas Budde in der Dorfkirche. Ich habe dienstfrei. Und wer mich sucht: Ich bin dann mit Adiletten in Wassernähe.

Di 8.6.21, 13:54: Mehr als ein Jahr lang hat es gedauert. Aber heute war es auch für mich endlich wieder soweit: Gottesdienst im Seniorenheim. Und das war schön und gut besucht noch dazu. Mehr als 25 Bewohner waren in den „Großen Saal“ vom Haus Ernst Hoppe gekommen. Die meisten im Rollstuhl. So wie eine Dame, die mir gleich sagte: „Ich bin doch eine Pastorentochter aus Ostfriesland, da muss der Gottesdienst einfach sein.“ Mein katholischer Kollege Johannes Motter und ich hatten Seifenblasen dabei. Wir ließen sie in allen Farben des Regenbogens glitzern. Lächeln auf den Gesichtern ringsum. „Schöööön“, rief eine unserer Besucherinnen, die noch keinen Gottesdienst verpasst hat und sich immer als „Engel ohne Flügel“ vorstellt. Es waren kostbare Augenblicke, die wir geteilt haben. Nach anderen wertvollen Augenblicken haben wir gefragt. „Die Geburt meiner Tochter“, „Hochzeit“, „Das Lächeln meiner Kinder“. Und mir war, als würde in diesem Moment das Sonnenlicht besonders schön auf unseren improvisierten Altar scheinen. Wir alle, die wir heute Vormittag zusammen waren, wissen, dass trübe Tage von ganz alleine wieder kommen. Umso wichtiger aber, die schönen Tage zu loben. Und so spielte Michael Hoeldke am Ende: „Nun danket alle Gott.“ Nach der Sommerpause findet der Gottesdienst im Seniorenheim wieder monatlich statt.

So 6.6.21, 12:59: Stimmungsvoll, festlich – und immer den Blick nach vorne gerichtet: So ungefähr war für mich der Dreiklang dieses Wochenendes. Stimmungsvoll ging es gleich am Freitagabend los mit dem Nachtgebet der Jugendlichen. Mit Kerzen, Lagerfeuer und lauter Musik – der „Besten Zeit“ von Sido. Und den Fragen aus dem Lied: „Was wollt ihr seh'n? Was erleben? Sagt, wo wollt ihr hin?“ Unsere Jugendlichen wollten am Samstag jedenfalls hin zu den ersten Konfirmationen des Jahres. Festlich war es also im Gemeindegarten im Dorf. Die Predigt hatten unsere Konfis vorbereitet. Es ging um ihre „Lieblingsorte“. Dazu sagte unsere Vorsitzende Inge Kronfeldt in ihrem Grußwort: „Gott hat übrigens auch einen Lieblingsort, und der ist direkt in euren Herzen.“ Diesen Gedanken fand ich ganz wundervoll. Heute haben wir im Gottesdienst in der Schilfdachkapelle den Blick nach vorne gerichtet: Es ging um Zukunft. Und um das radikale, spontane Zeitverständnis, von dem die Bibel berichtet: „Das Reich Gottes beginnt mitten unter euch.“ Dass die Zukunft im Hier und Jetzt beginnt, hat auch Peggy Trommer einmal mehr deutlich gemacht. Für die „Orgel-Lounge“ auf der Empore hat sie erste Sitzkissen angefertigt. Gemütlich sind sie – und wie! Daher ist mir klar, wo ich in Zukunft viele Stunden verbringen werde. Schönen Sonntag!

Fr 4.6.21, 10:12: Nein, das kann Helmut Schmidt nicht gewollt haben. Der Alt-Kanzler, der auf eine Frage, die ihm partout nicht gepasst hat, einmal ziemlich patzig reagierte, weshalb nun jeder, der von „Visionen“ redet, mit der Antwort rechnen muss: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Aber: Ich finde, dass die Zeit, in der wir leben, eine wunderbare Zeit für Visionen ist. Für Überlegungen, welche Weichen wir für die Zukunft stellen wollen – und welche nicht. Und so fragen wir am Sonntag im Gottesdienst: „Wo, bitte, geht’s zur Zukunft?“ Für mich passt es gut, dass mir meine Wetter-App für Sonntagvormittag sagt: 26 Grad und Regen. Ja, was denn nun, möchte man antworten, gutes Wetter oder nicht? Na, wir werden erleben, was die nahe Zukunft bringt. Apropos nahe Zukunft: Das ganze Wochenende hat es in sich für die beiden Kladower Kirchengemeinden. Schon heute Abend findet um 21 Uhr in der Dorfkirche das „Nachtgebet für Jugendliche“ statt, morgen feiern wir die ersten Konfirmationen des Jahres, und Sonntag, wie gewohnt, um 11 Uhr den Gottesdienst „drinnen und draußen“. Ich bin gespannt, wie die Kinder an ihrer Zukunft bauen – mit Lekanka Gaiser in der Kinderkirche an der „Kirche im Wald“. Ich freue mich auf das, was kommt!

Di 1.6.21, 9:45: Die Zeit, in der die Pandemie die ganze Aufmerksamkeit beherrscht hat, neigt sich langsam dem Ende zu. Ein Glück. Dafür rückt nun eine andere Frage in den Vordergrund: Wie kann der Neustart gelingen? Auch bei uns. Umso schöner, dass sich in den beiden Kladower Kirchengemeinden zwei Jugendliche entschieden haben, bei uns einen Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren. Beide kommen aus unserer regionalen Konfi- und Teamer-Arbeit. Leoni Rademacher wird dabei eher unterm Schilfdach zu finden sein. Im September beginnt sie aller Voraussicht nach ihren zwölfmonatigen Dienst. Leoni ist 17 Jahre alt und schon lange ehrenamtlich aktiv. „Ich habe gerade meine letzten Abiturprüfungen hinter mir, bald mache ich meinen Führerschein“, erzählt sie. „Aktuell weiß ich noch nicht, was ich studieren möchte, deshalb nehme ich mir ein Jahr lang Zeit, um erste Berufserfahrungen zu sammeln.“ Dabei ist Leoni der Kontakt zu anderen Menschen wichtig. „Das lässt sich wunderbar in meiner Gemeinde, mit der ich mich sehr verbunden fühle, vereinbaren.“ Und ich freue mich sehr auf diese Zeit. Und beinahe ebenso sehr freue ich mich, dass alle Kosten für den Bundesfreiwilligendienst durch mehrere Großspender gedeckt werden konnten. Deshalb einen ganz herzlichen Dank an Martina und Joachim Weiß, an Silke Blau und Torsten Birlem sowie an Gerhard Weinert!

So 30.5.21, 20:31: Heute, Trinitatis. Und: Viel los rund ums Schilfdach. Das fing schon am Morgen an, mit der Vorbereitung auf den Gottesdienst. Sonnenschein und blauer Himmel. Und Manfred Gummi, unser Mann für die Technik, sagt zu mir: "Wenn wir heute ganz nach draußen gehen, sag mir bitte mindestens eine Viertelstunde vorher Bescheid." Aber nein, wir feiern "drinnen und draußen", wie immer, dachte ich. Nur: Fünf Minuten vor dem Läuten war noch immer keiner in der Kapelle, dafür 60 Besucher unter den Eichen. Hm, was nun? Doch alles draußen, im Freien. Danke, Manfred, dass du die Technik in aller Schnelle zum Laufen gekriegt hast. Und: Tut mir Leid. Apropos, um Entschuldigungen ging es auch im Gottesdienst. Und Lekanka Gaiser hat später erzählt, dass auch in der "Kirche im Wald" dazu etwas Entscheidendes gesagt worden ist. Am Rande einer Farb-Wasser-Aktion haben die Kinder darüber gesprochen, was es nach einem Streit braucht, um sich zu vertragen. "Man muss miteinander reden." Genau. Um Versöhnung und Verständigung ging es auch am Nachmittag beim Friedensgebet. Mehr als 80 Besucher und Gruppen wie die "Omas gegen rechts" waren dazu in die Dorfkirche gekommen. Im Anschluss daran blieben alle noch zur Mahnwache zusammen, um sich einzusetzen für Toleranz und ein friedliches Miteinander – gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Ich wünsche allen noch einen schönen Sonntagabend!

Fr 28.5.21, 10:56: Kommt es mir eigentlich nur so vor, oder sind öffentliche Entschuldigungen wirklich gerade schwer in Mode? Vielleicht war es Angela Merkel, die mit der Rücknahme der geplanten „Osterruhe“ unbeabsichtigt den Anstoß dazu gegeben hat. Jedenfalls fallen mir seither spontan ein: Annalena Baerbock und Cem Özdemir, Jens Lehmann und Dennis Aogo, Karl Lauterbach und Boris Palmer. Allen gemeinsam ist der Versuch, öffentlich einen Fehler einzugestehen. Auch wenn ich mich dabei meist eher an die „Kunst, es nicht gewesen zu sein“ von Odo Marquard erinnert fühle. An den Aufsatz von 1973, gerade ziemlich aktuell. Was also tun, wenn etwas schief geht? Das ist die Frage auf der großen Bühne, aber auch eine, die zu Hause, im Privaten, eine gewisse Rolle spielt. Deshalb haben wir den Gottesdienst am Sonntag überschrieben mit: „Schuldigung.“ Wie aus der alten Frage nach dem gerechten Gott die aktuelle Frage nach dem gerechten Menschen werden konnte, darum wird es gehen. Ich freue mich auf Sonntag: Christian Deichstetter spielt die Orgel, Angelika Fiukowski ist Lektorin, Alina Kühn hat den Kirchdienst übernommen, Manfred Gummi überträgt nach draußen. Und Lekanka Gaiser hat für die „Kinderkirche im Wald“ eine Wasserschale vorbereitet. Was damit passiert? Sage ich nicht. Nur so viel: „Ich war’s nicht.“

Di 25.5.21, 9:03: „Ertragt einer den anderen“, so lautet ein Vers aus dem Kolosserbrief. Er beschäftigt mich zurzeit wie kein zweiter. Eigentlich, seitdem „Querdenker“ auch hier bei uns in Kladow öffentlich auftreten. Seitdem ausgerechnet vor der Dorfkirche zu Versammlungen eingeladen wird, die nicht  angemeldet sind, bei denen weder Masken getragen noch auf Abstand geachtet wird. Was aber weder Polizei noch Ordnungsamt zu interessieren scheint. Und wir als Kirchengemeinden? Ertragen die Versammlungen, ertragen auch, dass die Kirche als Kulisse für Gefahrenleugner und Wissenschaftsskeptiker herhalten soll. Das ist doch Meinungsfreiheit, oder? Ich habe an Martin Luther immer bewundert, dass er rigorosem Moralismus eine Absage erteilt und individuelle Freiheit hoch gehalten hat. Aber: Meinungsfreiheit hat Grenzen. Und meine Grenze war spätestens an dem Tag erreicht, als ich bei einer dieser Versammlungen erlebt habe, wie der Umgang mit Ungeimpften während der Pandemie gleich gesetzt worden ist mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich. Darüber hinaus haben uns immer wieder Hinweise auf Rechtsextremismus erreicht. Deshalb nun die Entscheidung, ein Zeichen zu setzen: Am kommenden Sonntag, 30. Mai, veranstalten wir um 16.30 Uhr ein Friedensgebet in der Dorfkirche. Im Anschluss daran findet die traditionelle Spandauer „Mahnwache für Toleranz und ein friedliches Miteinander – gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“ statt.

So 23.5.21, 13:08: Das Kreuz über dem Altar war heute mit einem langen roten Tuch bis zu den Altarstufen pfingstlich geschmückt. Dazu gab es fünf Taufen im Gottesdienst. Rund 80 Besucher waren in der Schilfdachkapelle und draußen auf dem Vorplatz unter den Eichen wieder mit dabei. Das Wetter für die, die draußen waren? Nun gut, da war durchaus Luft nach oben. Doch immerhin hat es nicht geregnet. Und die gute Laune nicht wesentlich getrübt. Im Gegenteil, eigentlich war es in der Predigt heute ganz schön albern. Kurzum: Dieser Pfingstsonntag unterm Schilfdach hat Spaß gemacht. „Endlich wieder alles möglich – oder?“, lautete die Überschrift über dem Gottesdienst. Die „Predigt To Go“ in einem Satz: Wo wir neuen Atem oder eine zweite Luft bekommen, wo Hoffnung neuen Raum erhält, da ist Pfingsten. – Besonders schön finde ich ein neues Projekt, das wir heute begonnen haben. Besucher und Spaziergänger werden zukünftig „Tauffische“ an der Wand des Gemeindehauses sehen können. Rund um das bunte KiGo-Kreuz erhalten alle, die bei uns getauft werden, einen fröhlich bunt gestalteten Fisch – als Symbole für Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Und das ist nun wirklich ein pfingstlicher Gedanke! Ich hoffe, dass wir dort möglichst bald einen großen Fischschwarm haben werden. Allen frohe Pfingsten!

Fr 21.5.21, 10:11: Pfingsten, das steht für mich fest, ist ein unterschätztes Fest. Und ein „unterschenktes“ noch dazu. Jedes Kind weiß: Weihnachten und Ostern gibt es Geschenke – aber Pfingsten? „Pfingsten gibt es nichts, Pfingsten gibt es nur den Heiligen Geist“, lautet die Antwort eines Vaters auf die Frage seines Sohnes. Hm, na gut. Aber das bedeutet in unserer seltsamen Zeit, Pfingsten vor allem als Befreiungsgeschichte zu lesen. Als Anti-Geschichte, wenn man so will, gegen alle Schwere und alles Schwere. Wer das Gefühl hat, dass einem diese Pandemie immer mehr die Luft zum Atmen nimmt, für den kann Pfingsten die Gelegenheit zum Durchatmen sein. Denn: Wo Hoffnung neuen Atem bekommt, da ist Pfingsten, da ist Heiliger Geist. „Endlich wieder alles möglich – oder?“, lautet die Überschrift für unseren Gottesdienst an Pfingstsonntag. Ein Festgottesdienst soll es werden, zum Atemholen, Durchpusten und mit viel Spaß. Wir haben ein paar schöne Aktionen vorbereitet. Um 11 Uhr geht es „drinnen & draußen“ los. Catherine Fechner ist Lektorin. Die Orgel spielt Christian Deichstetter. Katrin Buchholz hat Kirchdienst. Alina Kühn ist bei der Taufliturgie dabei. Lekanka Gaiser freut sich auf alle Kinder. Und am Ende wird jeder Gottesdienstbesucher als „Hoffnungsträger*n“ in den Feiertag gehen. Mehr wird nicht verraten. Herzliche Einladung!

Di 18.5.21, 9:24: Nach mehr als einem Jahr der Pandemie bewege ich mich zu Hause nur noch wie unter alten Freunden. „Stimmt doch, Kühlfrank, oder?“, sage ich und nehme die Sahne aus dem Kühlschrank. Nein, ich wundere mich nicht darüber, dass ich begonnen habe, den Dingen andere Namen zu geben. Ich  stehe gestern Abend also an der Gerdplatte und überlege, was es zu essen geben könnte. Gefriertrude und Mirkowelle lasse ich links liegen. Heute vielleicht mal Backolaf? Später, nach dem Essen, erzähle ich meinem Freund Dirk von Messer und Gabriel. Er nennt mich albern. Aber das macht mir nichts. Darauf bin ich vorbereitet. Ich beginne also, ihm wortreich zu erklären, dass selbst Jesus symbolische Namen verwendet hat. Seinen Freund Simon nannte er bald nur noch Petrus, von Griechisch „petra“, Felsen. Und auch Jakob wurde in der biblischen Überlieferung in Israel umbenannt, Abram in Abraham und Sarai in Sara. Zugegeben, häufig ist es eher Gott, der die Macht hat, Namen zu verteilen. Aber, hey, bin ich nicht wenigstens Herr über meine Kücheneinrichtung? Am anderen Ende: Stille. Dirk hat längst aufgelegt. Keine Ahnung, warum. Dabei habe ich mich doch gerade erst so richtig warm geredet. Und überhaupt: Ein bisschen mehr Ernst täterätäte uns ganz gut.

So 16.5.21, 13:53: Regen bringt Segen, das hört man doch immer wieder. Ich habe bisher nie länger darüber nachgedacht. Aber jetzt, nach den ganzen Regentagen, kann ich nur sagen: Stimmt. Mit dem Regen kam der Segen. Und Segen, viel Segen, war in den Worten unserer Konfirmanden, die wir rund um Christi Himmelfahrt zu mehreren „Draußen-Einheiten“ versammelt hatten. Thema: Taufe. Dazu: Regen. Immer wieder: Regen. „Passt doch“, meinte irgendwann einer. Wieso, habe ich gefragt. „Na, der Regen kommt wie der Segen bei der Taufe auf uns runter.“ Schöner Gedanke, finde ich. Und was bedeutet euch die Taufe? „Dass Gottes Akzeptanz immer größer ist als unsere Fehler“, meinte Caro. Und Fabian ergänzte: „Dass Gott immer wieder zurück kommt, immer wieder.“ Ich sag’s ja –  viel Segen war in den Worten unserer Konfis. Kein Wunder, dass wir aus allen Beiträgen einen Gottesdienst gestaltet konnten, den Nicolas Budde und ich heute mit unseren Konfirmanden vor der Schilfdachkapelle gefeiert haben. Acht Jugendliche haben wir im Gottesdienst getauft. Sarah Dallimore hat dazu gesungen: „The Power of Love“. Michael Hoeldke hat sie auf dem Piano begleitet. Mehr als 90 Besucher waren dabei. Und auch sonst war alles dabei: Sonne, Regen, das ganze Leben. Schön war es. Allen einen gesegneten Sonntag!

Di 11.5.21, 11:17: Kinder sind in der Pandemie am wenigsten gefährdet, aber mit am stärksten betroffen. Ich stehe gerade in der Küche, als ich im Radio höre, wie Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, sagt: „Kinder werden seit Monaten diskriminiert.“ Hm, überlege ich, starke Worte. Doch: Kinder sind die am häufigsten getestete Bevölkerungsgruppe. An den Schulen besteht Pflicht. In der Wirtschaft nicht. Warum? „Was Kinder anbetrifft, hat unsere Regierung versagt“, meint Peter Dabrock, ehemaliger Vorsitzender des Ethikrates. Und mir fällt ein, wie gerade erst Familien aus Urlaubsregionen ausgeschlossen worden sind, aber zeitgleich – „um den Sommer zu retten“ – der Impfabstand für hauptsächlich Ältere verkürzt wurde. „Erst impfen sie ihre Wähler, jetzt privilegieren sie ihre Wähler“, sagt ein Vater aus unserer Kita heute zu mir. Wirklich? Leider können wir uns als Kirchengemeinden nicht wirklich  auf die Schulter klopfen. Auch bei uns müssen Kinder auf vieles verzichten. Aber umso mehr freue ich mich auf die nächsten Tage. Vor uns liegen gleich mehrere Konfi-Einheiten. Außerdem feiern wir an Christi Himmelfahrt um 10.30 Uhr vor der Dorfkirche Familiengottesdienst. Und für Sonntag bereiten Jugendliche den Gemeindegottesdienst um 11 Uhr vor der Schilfdachkapelle vor, in dem mehrere Konfis getauft werden. Herzliche Einladung also, wenn es bei uns heißt: „Kinder zuerst“.

So 9.5.21, 13:18: Das war für mich heute auch eine Premiere. Ein  Gottesdienst, ganz im Zeichen des Muttertags. Im Rückblick würde würde ich nun sagen: Schön war es. Und noch dazu gut besucht. Deutlich mehr Besucher waren diesmal allerdings draußen auf dem Vorplatz als drinnen in der Schilfdachkapelle. Nun, kein Wunder bei diesem Wetter. Bei Sonnenschein und 25 Grad waren trotz vieler Feiertagsausflüge heute wieder mehr als 70 Besucher dabei. In der Predigt wurde es heute persönlich. Für viele auch emotional. Mutterbeziehungen war das Thema – und was Kinderglauben und erwachsene Gottesbeziehungen damit zu tun haben könnten. Apropos Kinderglauben: Die Kinder haben sich in der „Kirche im Wald“ ebenfalls mit Müttergeschichten in der Bibel beschäftigt. „Dazu haben wir Sonnenblumen in Eierkartons gepflanzt und eine aufklappbare Blume gebastelt, die wir mit Segenssprüchen versehen haben“, so Lekanka Gaiser, unsere Beauftragte für die Arbeit mit Kindern. Besonders gefreut habe ich mich, dass uns Brigitte und Rüdiger Ahlfeldt zahlreiche in Heimarbeit entstandene Kerzenherzen aus Holz zur Verfügung gestellt haben. Nach dem Gottesdienst hat Peggy Trommer sie gegen eine Spende ausgegeben. Ihre Beobachtung: Der eine oder andere war doch erleichtert, noch auf den letzten Drücker einen so schönen Muttertagsgruß bekommen zu haben. In diesem Sinne: Allen einen gesegneten Muttertag!

Fr 7.5.21, 10:42: „Mütter“, ein kurzes Wort nur, sechs Buchstaben, und doch die ganze Welt der Gefühle. Sonntag ist Muttertag. Aber diesmal ist manches anders. „Ich wünsche mir keine Blumen, sondern einen Impftermin“, sagt mir heute Morgen vor der Schule eine Mutter. Sie lacht. Und ich denke: Schön, wenn man trotzdem lachen kann. Also wollen auch wir mit guter Laune am Sonntag einen Gottesdienst zum Muttertag feiern. In den Lesungen wird es um Müttergeschichten aus der Bibel gehen, in der Predigt um Mütter im Allgemeinen und um eine Mutter im Besonderen. Apropos, sie ist oben auf dem Foto zu sehen. Es ist meine Mutter. Mal schauen, wie das wird. Das Wetter soll auch mitspielen, 26 Grad sind angekündigt. Und das möchte ich gerne glauben, wenn ich aus dem Fenster schaue. Gerade schneit es wie verrückt… Manfred Gummi überträgt jedenfalls nach draußen. Michael Hoeldke begleitet den Gottesdienst musikalisch. Julia Grieb ist Lektorin. Angeli Wicke hat Kirchdienst. Lekanka Gaiser hat sich eine schöne  Kinderaktion ausgedacht. Peggy Trommer ist mit Neuzugängen aus der „Kollektion Schilfdach“ dabei. Ach so, und wer noch ein Mitbringsel für den Muttertag braucht – da hätten wir was aus Holz und in Herzform. Aber ich verrate noch nicht, was es ist. Herzliche Einladung!

Di 4.5.21, 10:41: Der Blick am Morgen auf die Waage hat mir kürzlich eine unschöne Erinnerung verschafft. An das vergangene Jahr, als ich dachte: Der Sommer ist zwar schön, aber er kommt sieben Kilos zu früh. Nein, das passiert mir nicht noch mal, habe ich deshalb beschlossen. Und heute gleich nach dem Aufstehen mit Liegestützen begonnen. Aber, nun, was soll ich sagen? Liegen kann ich, Stützen nicht. Das ist die Lage, und die Lage ist nicht schön, dachte ich, während im Hintergrund über die Weltlage im Radio gesprochen wurde. Und ich mich weiterhin mit zitternden Armen in Schieflage befand. Welche Beschlusslage das nun haben sollte, war mir nicht klar. Jedenfalls befreite mich aus dieser Gemengelage zum Glück eine Stimme aus der Küche: „Papa, Frühstück.“ So ähnlich muss sich der Prophet Elia gefühlt haben, als er müde und erschöpft in der Wüste lag, bis ihn eine Stimme rief: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Plötzlich stellte sich meine Lage auch ganz anders dar. Ich stand auf und dachte über meinen Weg durch den Tag nach. Da würde mir Stärkung ebenfalls gut tun. Und ein Blick aus dem Fenster sagte mir: Der Sommer lässt sowieso noch auf sich warten.

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